HEAVY METALMötley Crüe & Slash : Schüttel dein Haar für mich

Es gibt gute Gründe, den Hair Metal der Achtziger für eine der größten Geschmacksentgleisungen der Popgeschichte zu halten: die lachhaften Klamotten unter besonderer Berücksichtigung der Spandexhose, die fiesen Fressen, die grottigen Albumcover – und natürlich die unsäglichen Frisuren. Auf exemplarische Weise verkörperten Mötley Crüe den Aufstieg und Fall dieses viel geschmähten, aber erfolgreichen Subgenres. Nikki Sixx, Mick Mars, Vince Neill und Tommy Lee (von links) waren Musiker von überschaubarem Talent, aber umso größerem Willen zu Exzess und Exhibitionismus, als sie 1981 in Los Angeles eine Band (mit von der Biermarke „Löwenbräu“ inspiriertem Umlaut) gründeten.

Unter Pflege ihres Bad-Boy-Images und Zuhilfenahme von allen Drogen, die für Geld zu haben waren, stiegen sie zu Superstars mit 80 Millionen verkauften Platten auf. Hört man heute den schmächtigen Glam-Metal ihrer ersten Alben, fragt man sich zwar warum, aber seinerzeit mag das Ganze aufregender geklungen haben. Eigentlich wurden Mötley Crüe erst mit der fünften Platte „Dr. Feelgood“ (1989) richtig gut, aber dann begann der freie Fall. In den Neunzigern verkamen sie zur Lachnummer, die mehr durch die turbulente Ehe von Schlagzeuger Tommy Lee mit „Baywatch“-Star Pamela Anderson (samt „versehentlich“ gepostetem Internetporno) als mit Musik für Schlagzeilen sorgte. Aber alte Säcke rosten nicht: Das Comeback-Album „Saints of Los Angeles“ aus dem Jahr 2008 war eine überraschend unpeinliche Angelegenheit.

Ach ja: In der Schmelinghalle tritt auch der Gitarrist der erfolgreichsten Hair-Metal-Band auf: Slash von Guns N’ Roses samt neuer Kapelle. Aber das ist eine völlig andere Geschichte.Jörg Wunder

Max-Schmeling-Halle, Di 12.6., 19 Uhr, 52-68 €

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