Zeitung Heute : Hehlerringe nutzen Online-Auktionen

Gina Wilkinson

In Südostasien ist der Raub von Kunstschätzen und Altertümern ein jahrzehntealtes Problem. Stein um Stein und mit Presslufthammern ausgestattet schlagen hochspezialisierte Banden wertvolle Reliefs aus den Tempeln Thailands und Kambodschas. Bislang fanden sich das wertvolle Kulturgut meist bei Händlern in den Straßen Bangkoks wieder oder gelangte per Schiff oder Flugzeug an bekannte Interessenten in den USA und Europa. Doch die Hehlerringe haben inzwischen auch das Internet endeckt und bieten anonym in Online-Auktionen rund um den Globus an.

Die Fahnder sind machtlos. Zu viele wertvolle und wertlose Dinge wechseln im weltumspannenden Datennetz mittlerweile Tag für Tag den Besitzer. Nur durch Zufall fliegen die virtuellen Hehler auf. In Deutschland sind die Ermittler ohnehin noch nicht auf das Problem aufmerksam geworden. Ein Blick auf die US-Auktionsseite des Online-Versteigerers eBay, die auch in einer deutschen Version existiert, enthüllt die Fülle an thailändischen und kambodschanischen Antiquitäten, die derzeit im Netz zum Verkauf stehen ( www.ebay.com ). Sie reichen von reichverzierten Wanddekorationen aus dem 12. Jahrhundert bis zu 400 Jahre alten Ayutthaya-Buddha-Bildern aus Thailand.

Machtlose Justiz

Die thailändischen Behörden hatten jüngst ein verschärftes Vorgehen gegen den Handel mit Kunstgegenständen angekündigt. Damit sollte zugleich der Versuch unternommen werden, den Ruf des Landes als regionaler Dreh- und Angelpunkt für den illegalen antiken Handel abzustreifen. Doch die Internet-Hehler waren schneller und verlagerten viele ihrer bislang offen getätigten Verkäufe in das Internet. Richard Engelhardt aus dem Bangkoker Büro der UN-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur ist über die neue Entwicklung entsetzt. "Das öffnet ganz sicher Tür und Tor für die Ausweitung des illegalen Handels. Der Kundenstamm wird deutlich größer.

Der Unesco-Vertreter moniert, dass eBay ebenso wie andere Online-Auktionshäuser sich mit Aufrufen an die Ehrlichkeit seiner Kunden aus der Verantwortung stiehlt. Bei eBay, wo zu jeder Zeit etwa drei Millionen Objekte zum Verkauf angeboten werden, wird von den Nutzern lediglich verlangt, bei der Anmeldung per virtuellem Kreuzchen Nutzungsbedingungen zur Kenntnis zu nehmen. "Wir haben keine Kontrolle über Qualität, Sicherheit und Legalität der angebotenen Gegenstände, über Wahrheit oder Richtigkeit der Auflistungen", erklärt der Anbieter dann lapidar an anderer Stelle. Prachote fordert deshalb Gesetze, die den Verkauf von Antiquitäten via Internet regeln. Da solche Versuche aber quasi alle Staaten der Welt einbeziehen müssten, blieben sie bislang im Ansatz stecken.

9000 Antiquitäten beschlagnahmt

Das immense Potenzial für die Cyber-Kriminalität wurde im September deutlich, als spanische Ermittler bei einer Razzia 9000 Antiquitäten eines Hehlerrrings beschlagnahmten, der sich auf den Internet-Vertrieb spezialisiert hatte. Alte Münzen, Schmuck und Keramik waren an Käufer aus den USA, Australien, Frankreich, Kanada, Portugal und auch nach Deutschland versteigert worden. Das Bundeskriminalamt wußte von dem Fall noch nichts. Ein Sprecher betonte, bislang gebe es noch keine Anzeichen für eine gravierende Verlagerung illegaler Kunstverkäufe ins Internet.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben