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Theaterpreis Berlin: Marthaler kehrt an die Volksbühne zurück

Wohin geht die MarthalerFamilie jetzt, da sie am Zürcher Schauspielhaus so schön gescheitert ist? Sie kommt nach Berlin zurück, an die Volksbühne, wo sie vor elf Jahren mit „Murx!“ die zweite Stufe auf dem Weg zum unsterblichen Theaterruhm zündete. Die erste Stufe ging ein paar Jahre zuvor, ein bisschen unerwartet und plötzlich, in Basel los. Als nämlich Christoph Marthaler und Anna Viebrock, die Eltern jener Bühnen-Familie, erste gemeinsame Projekte ersannen: Anna Viebrock baute das Nest, Christoph Marthaler setzte die Männlein und Weiblein hinein: die Schauspieler, Tänzer, Sänger und manchmal gar nicht so lustigen Musikanten. Sie haben das Theater verändert. So viel steht fest, bei diesen schwankenden Gestalten.

Anna Viebrock und Christoph Marthaler sind am Montagabend im Haus der Berliner Festspiele mit dem Berliner Theaterpreis 2004 ausgezeichnet worden. Dafür haben sie 16 000 Euro, einen wunderschönen Feier-Abend und einige Reden bekommen. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit sah etwas in den Marthaler-Epen, das noch keinem je auffiel: die Nähe Marthaler’scher Typen zur politischen Klasse. Walter Rasch, der Vorsitzende der Stiftung Preußische Seehandlung, die den Theaterpreis zum 16. Mal vergab, schien in seiner Begrüßung vom Stolper- und Poltergeist der Marthalers inspiriert. „O. T. Eine Ersatzpassion“: Dank der Berliner Festspiele war die letzte Zürcher Produktion der Marthaler-Familie bei der Preisverleihung zu sehen. Musikalischer Slow-Motion-Slapstick im Bühnenraum von „Dantons Tod“, Marthaler/Viebrocks zehnter Theatertreffen-Einladung.

Die vier Zürcher Jahre der Marthaler-Familie waren „das glanzvollste Missverständnis, das dem deutschsprachigen Theater passieren konnte“. So hat es Frank Baumbauer, Intendant der Münchner Kammerspiele, formuliert. Baumbauer, einst Marthalers Theaterchef in Basel und später dann in Hamburg, sagte in seiner klugen, bescheidenen Preisrede: „Einer allein ist im Theater wenig, das Team ist alles.“ Und las die Namen der in den vergangenen sechzehn Jahren ständig angewachsenen Marthaler/Viebrock-Familie vor. Es war Musik in den Ohren der Geehrten. Und dann sagte Christoph Marthaler, sichtlich gerührt: „Ich ziehe wieder nach Berlin.“ Und Berlin sagt: Danke, Zürich! R. S.

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