Zeitung Heute : Heimspiel für Putin

Der diesjährige G-20-Gipfelfindet in St. Petersburg statt.Welche Bedeutung hatdas Ereignis für Russland?

St. Petersburg ist nicht nur eine weltweit berühmte Touristenmetropole, sondern auch der Geburtsort des Gastgebers und russischen Präsidenten Wladimir Putin. Schon oft hat er internationale Gäste in seine Heimatstadt eingeladen. Am Vorabend des Gipfels fachte Putin die Erwartungen an das Ereignis noch einmal an. Wenn die USA „überzeugende“ Beweise dafür vorlegen würden, dass tatsächlich das Assad-Regime hinter dem Giftgasangriff von Damaskus stecke, würde er sich einer von den UN gedeckten Militäraktion nicht verschließen. Das Thema wird nun in der öffentlichen Wahrnehmung vermutlich die eigentliche Tagesordnung dominieren, obwohl für Russland seit der Übernahme der Präsidentschaft im November 2012 Maßnahmen zur Förderung eines starken, nachhaltigen und ausgewogenen Wachstums der Weltwirtschaft Priorität haben.

Mit Teilaspekten dieses Themas – darunter Maßnahmen gegen Steuerflucht, Regulierung der Finanzmärkte und Bekämpfung der Arbeitslosigkeit – werden sich die Staats- und Regierungschefs bei insgesamt vier Arbeitssitzungen auseinandersetzen und am Rande des Gipfels mit ihren Amtskollegen zu bilateralen Gesprächen zusammentreffen.

Die Ausrichtung des Gipfels, so der Chef der Kremladministration, Sergei Iwanow, der auch die Vorbereitung koordiniert, sei eine große Ehre für Russland. Bei der Organisation habe es zwei Prioritäten gegeben: maximale Wirtschaftlichkeit und minimale Störungen für den normalen Lebensablauf der Bürger. Beides sind nicht gerade Stärken und Primärtugenden Russlands. Die Olympischen Spiele in Sotschi im kommenden Februar werden die teuersten in der Olympia-Geschichte, auch bei der Fußball-WM 2018 heißt das Motto: Klotzen, nicht kleckern. Und die Petersburger haben den Gipfel der G-8-Gruppe 2006, den ersten, den Russland nach Beitritt zum Klub der weltweit größten Industrienationen ausrichten durfte, noch in böser Erinnerung. Damals ging in St. Petersburg so gut wie nichts mehr, obwohl die Organisatoren – auch, um keine Angriffsfläche für das harte Vorgehen der Polizei gegen Proteste der Globalisierungsgegner zu bieten – auf das außerhalb am Finnischen Meerbusen gelegene und nur vom Wasser aus erreichbare Konstantin-Palais in Strelna, rund 15 Kilometer südwestlich der Stadt, ausgewichen waren. Dort wird auch heute wieder getagt.

Von den 116 Millionen Euro, die sich Russland die G-20-Präsidentschaft nun insgesamt kosten lässt, gehen knapp ein Drittel für den Petersburger Gipfel drauf. Touristen sollen das Geld wieder in die Kassen spülen, nach dem Treffen der Staatschefs würden die Besucherzahlen rasant steigen, glaubt Cheforganisator Iwanow. Elke Windisch

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