HEINZ FROMM : HEINZ FROMM

Foto: dpa
Foto: dpaFoto: dpa

Bei der Suche nach dem Prototypen für einen ebenso diskreten wie loyalen Diener des Staates kann man leicht auf ihn kommen, schon äußerlich. Heinz Fromm fällt nicht auf mit dem langweilig-korrekten Anzug, dem Scheitel und dem ziemlich aus der Mode gekommenen Schnäuzer, und das war ihm stets ganz recht so.

Seinen Dienstherren war es das auch. Otto Schily hat den Sozialdemokraten im Jahr 2000 als Chef des Bundesamtes für Verfassungsschutz nach Köln geholt, Schilys vier Nachfolger haben ihn über drei Regierungswechsel hinweg dort belassen und geschätzt. Fromm machte zuverlässig seinen Job und ging Mikrofonen aus dem Weg, nicht aber fachlichen Auseinandersetzungen – den Innenminister Wolfgang Schäuble hat er seinerzeit gewarnt, als der die Abteilungen für Links- und Rechtsextremismus zusammenlegte. Der Schritt, der im Zusammenhang mit dem neuen Vorrang für den Kampf gegen Islamismus stand, ist mittlerweile revidiert.

Der 1948 geborene Hesse fand über Hans Eichel den Weg in die Bundespolitik. Aufgewachsen in einem Dorf im Zonenrandgebiet, Jurastudium in Gießen, höherer Staatsdienst in Hessen, zwei Jahre an der Spitze des Landesverfassungsschutzes und danach bis 1999 Staatssekretär im Landesinnenministerium der Regierung Eichel – das sah eigentlich nach einer reinen Landeskarriere aus. Als Eichel die Wahl verlor, ging Fromm in dessen Heimatstadt Kassel und wurde Gefängnisleiter. Der Job in der JVA blieb Episode, kein Jahr später war er in Köln.

Dass ihn ausgerechnet die NSU-Affäre ein Jahr vor der Zeit in den Ruhestand treibt, hat etwas Tragisches. Fromm hat die Gefahren des Rechtsextremismus nie kleingeredet, auch und gerade wenn er sich als gutbürgerliche Partei wie die NPD tarnt. Über das Mordtrio des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ hat er schon Ende 2011 selbstkritisch bekannt, diese Täter „nicht wirklich verstanden“ und ihren Hass ebenso unterschätzt zu haben wie ihren „Willen zur Tat“. Sein Nachfolger könnte der Mann werden, der intern die NSU-Pannenermittlungen leitet:

Alexander Eisvogel, 46 Jahre, erfahrener Verfassungsschützer und derzeit Vizepräsident des Amtes. bib

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar