Zeitung Heute : Heiraten im Ausland: Am Bungeeseil in die Ehe stürzen

Brigitte Jurczyk

Verliebt, verlobt, verheiratet: Wer sich traut, kann den Bund fürs Leben auf dem Standesamt seiner Stadt schließen. Muss er aber nicht! Wem die örtlichen Behördenräume für diesen besonderen Tag zu unspektakulär erscheinen, findet mittlerweile viele originelle Ausweichplätze.

An einem "seidenen Faden" hängt das traute Glück zu zweit im neuseeländischen Christchurch. Dort springt von der Brücke, wer des Alleinseins müde ist. Bevor das Brautpaar per Bungeeseil in den Abgrund stürzt, muss es sich noch das Ja-Wort geben. Übrigens: Die Mutigen teilen sich ein Gummiband, der Standesbeamte bleibt derweil in sicherer Höhe auf der Brücke (Honeymoon Highlights, Telefon: 026 81 / 98 95 27, www.honeymoon-highlights.de ).

Im Himmel, sagt der oft beschworene Volksmund, werden Ehen geschlossen. Das gilt auch für Ballonfahrer, die sich in die Lüfte über Sydney erheben. In den Wolken über der australischen Metropole kommt das Treuebekenntnis leicht über die Lippen - dank australischem "Champagner" und obligatorischem Hochzeitswalzer. Das Hochgefühl stellt sich dabei automatisch ein (Reisen & Träumen, Telefon: 078 31 / 833 83, www.reisen-traeumen.de ).

Wagemut erfordert der Sprung ins zukünftige Eheleben - und zwar aus einem Flugzeug. Las Vegas, die Welthauptstadt der Brautpaare - hier lassen sich jährlich über 100 000 Pärchen trauen -, offeriert diesen Nervenkitzel der besonderen Art. Aber nicht nur Braut beziehungsweise Bräutigam sitzen einem beim freien Fall aus den Wolken sprichwörtlich im Nacken, sondern auch die Trauzeugen und garantiert ein Fallschirm, der das Aufsetzen auf den Boden doch erheblich abzufedern weiß (Wedding Dreams, Telefonnummer: 001 / 702 / 432 10 77, www.wedding-dreams.com ).

Wer die Achterbahnfahrt der Gefühle beenden und endlich den sicheren Hafen der Ehe ansteuern will, findet die geeignete Location im Busch Gardens Tampa Bay. In Funpark von Florida bestätigen Unerschrockene mit einem "Ja, ich will" auf dem Höhepunkt einer rasanten Achterbahnfahrt ihre eindeutigen Absichten (Montu Wedding, Busch Gardens Tampa Bay, Telefonnummer: 001 / 813 / 987 50 82, www.4adventure.com ).

Weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit lässt es sich in Australien heiraten. Am Great Barrier Reef kann das Brautpaar in aller Seelenruhe abtauchen. Da am Meeresboden das Ja-Sagen durch das Mundstück des Presslufttanks erheblich schwerer fällt als an Land, halten Braut und Bräutigam einfach ein Schild hoch: "Yes, I will" steht drauf, ihre Antwort auf die schriftliche Frage des Standesbeamten, der zusammen mit ihnen auf Tauchstation gegangen ist. Das erspart die endlosen Ausführungen über Sinn und Zweck einer ehelichen Gemeinschaft, die die Staatsbediensteten hierzulande immer geben müssen (Honeymoon Highlights, Telefonnummer: 026 81 / 98 95 27, www.honymoon-highlights.de ).

Einen überirdisch guten Beginn des Eheglücks verspricht die Landung auf dem Tasman Gletscher des Mount Cook auf der Südinsel Neuseelands. Ein Spezialflugzeug bringt die Trauwilligen auf rund 3000 Meter Höhe, wo die Luft zwar dünn, das Lippenbekenntnis für die Ewigkeit dadurch aber nicht behindert wird. (Sales & Promotion Services, Telefonnummer: 02 11 / 51 33 34 00, www.travelpromotion.de )

Zu einem Tanz auf dem Vulkan wird die Hochzeit auf White Island. Ideal für hitzige Gemüter - das "Standesamt" liegt direkt dort, wo die Erde kocht. Die brodelnde Insel vor Neuseeland hat noch aktive Vulkane, die das Eiland passend zum Hochzeitskleid in weißen Nebel hüllen (Reisen & Träumen, Telefon: 078 31 / 833 83 oder unter www.reisen-traeumen.de ).

Ein letztes Mal auf die Pirsch gehen Paare in Ngala am Rande des Krüger Nationalparks in Südafrika. Bevor sie sich die ewige Treue schwören, steht ihnen ein wildes Abenteuer bevor - die Zeremonie findet im Busch statt, unter dem Gebrüll von Löwen, Leoparden und Elefanten (Infinity Reise Consulting, Telefonnummer: 089 / 538 96 28, E-Mail-Adresse: infinity-r-c@t-online.de ).

Der Amerikaner Peary hatte wohl kaum Trauwütige im Sinn, als er zum Nordpol aufbrach und als erster Mensch 1909 den nördlichsten Punkt der Erde annähernd erreichte. Heute finden hier on top of the world Ex-Singles ihr persönliches Happy End. An Bord des Eisbrechers Yamal geht es von Spitzbergen 90 Grad Richtung Norden durchs Eismeer. Drei Tage später hält der russische Kapitän die Festrede. Die Hochzeit - ein eisiges Vergnügen! Und ein teures dazu. Mit rund 60 000 Mark wird die zukünftig gemeinsame Haushaltskasse belastet. Und anschließend muss die Eheschließung noch einmal formell abgesegnet werden (Cape Horn Expeditions, Telefon: 089 / 523 45 76, E-Mail: capehornex@aol.com).

Wer noch ein paar Tausender drauflegt, hat ein wirklich exklusives Vergnügen: In einem U-Boot geht es auf 3800 Meter Tiefe, einem Abenteuer entgegen. Ziel: die versunkene Titanic. Im Angesicht der Legende wechseln selbst Abgebrühte die Ringe mit Gänsehaut. Und vergessen dabei gewiss, dass der untergegangene Luxusliner vielleicht nicht gerade das beste Omen ist. An Bord des U-Bootes - weltweit gibt es nur vier Submarines, die in diese Tiefen abtauchen können - haben nur der Kapitän und das Brautpaar Platz. Pech für weinende Schwiegermütter und weitere tränenselige Anverwandte. Wer die 70 000 US-Dollar für diesen Spaß übrig hat, startet in den 7. Ehehimmel mit einer erhebenden Gewissheit: Auf diese Art und Weise hat sich noch keiner getraut, sich trauen zu lassen! (Cape Horn Expeditions, Telefon: 089 / 523 45 76, E-Mail: capehornex@aol. de ).

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar