Heiratsaufforderung an Gauck : Die Ehe ist kein Auslaufmodell

Die Mehrheit der Deutschen glaubt an eine dauerhafte Partnerschaft. Heiraten oder nicht, diese Frage lässt sich indes weniger einfach beantworten. Vor allem, wenn eine Scheidung damit verbunden ist. Wie bei Joachim Gauck.

Der designierte Bundespräsident Joachim Gauck mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt.
Der designierte Bundespräsident Joachim Gauck mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt.Foto: dapd

Bald haben wir einen protestantischen Pfarrer als Bundespräsidenten. Wir haben schon eine protestantische Pfarrerstochter als Regierungschefin. Man kann sagen, dass der Katholizismus derzeit nicht gerade einen guten Lauf hat hierzulande. Aber er hat KNA. KNA ist das Kürzel für die Katholische Nachrichtenagentur.

Seit 1952 gibt es die KNA, sie beschäftigt sich überwiegend, nomen est omen, mit kirchlichen Themen. Und gestern wartete die KNA mit einer Eilmeldung auf. Eilmeldungen sind Meldungen, die von den Redaktionen bevorzugt behandelt werden sollen, meist, weil sie etwas überaus Überraschendes, ja fast Sensationelles behandeln. Also wenn jetzt, zum Beispiel, die Kanzlerin konvertieren würde, weil sie künftig katholische Regierungschefin sein möchte, wäre das KNA eine Eilmeldung wert. Gestern stellte das Allensbach-Institut eine Studie vor: "Partnerschaft 2012: Zwischen Herz und Verstand". KNA hat das Ergebnis der Studie grob zusammengefasst: "Ehe ist kein Auslaufmodell". Aha. 66 Prozent der Deutschen sind demnach der Meinung, dass die Ehe als glückliche und stabile Partnerschaft ein wesentliches Lebensziel sei. Wenn die Katholiken die Bestätigung des heiligen Sakramentes der Ehe als Sensation verkaufen, wenn sie also selber ihre Skepsis hatten, dann hat der Katholizismus wohl wirklich keinen guten Lauf.

Sozusagen am anderen Ende der Ehe steht die Scheidung. Die Studie hat herausgefunden, dass die Scheidungsquote bis 2005 auf 40 Prozent angestiegen ist. Seit 2005 fiel sie aber wieder um zwei Prozent. Ob der Unwille zur Scheidung etwas mit der Stabilität der Liebe zu tun hat, dazu äußert sich die Studie nicht. Und auch KNA nicht. Es könnte auch eine Sache der gestiegenen Kosten sein und der Vorzüge des Ehegattensplittings. Dazu könnte man den künftigen Bundespräsidenten befragen.

Aber über die Frage, wem oder was nun der Vorzug zu geben sei, der Ehe oder der wilden Ehe, sind die Katholiken ohnehin uneins. Wie man am Beispiel des CSU-Abgeordneten Norbert Geis sieht, immerhin studierter Theologe und Mitglied im Kuratorium des Forums Deutscher Katholiken. Trotzdem will er bekanntlich die Scheidung durch das Bundespräsidialamt adeln lassen. Es ist noch offen, ob er damit durchkommt. "Führender Katholik schwächt das heilige Sakrament der Ehe und fordert die Aufwertung der Scheidung" – das wäre doch mal eine wirklich gute Eilmeldung für den Katholischen Nachrichtendienst.

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