Zeitung Heute : Heiße Emotionen am Gefrierfach

Der Tagesspiegel

Von Bernd Matthies

Reden!Viele Reden, lange Reden. Reden, die von Deutschen auf Englisch gehalten und dann von Dolmetschern simultan rückübersetzt werden, Reden, die bereits in Pressemappen vielhundertfach ausliegen - wir haben es hier mit einer großen, wichtigen Veranstaltung zu tun. Die Messe Berlin ist stolz auf ihre „Home Tech“, die in einer schwierigen Zeit gleich beim ersten Mal 100 000 Quadratmeter Ausstellungsfläche füllt, und die ein paar der großen Industriekonzerne nach Berlin bringt, die sich hier sonst gern rar machen.

Die „Home Tech“ ist erst vor knapp einem Jahr vom in Brüssel ansässigen europäischen Verband der Hausgerä tehersteller (Ceced) an die Messe Berlin vergeben worden – Siemens/Bosch, Candy, Liebherr, Gorenje und Whirlpool gehören dazu. Das Konzept rückt ab von der reinen Ordermesse und bietet in den Worten von Messe-Geschäftsführer Christian Göke „eine emotionalisierende Kombination aus Fach- und Publikumsmesse“:Die Fachmesse beginnt am heutigen Mittwoch, das Publikum wird am Sonnabend und Sonntag mit einer Vielzahl zusätzlicher Veranstaltungen umworben. Es geht um Hausgeräte - und warum man sie jetzt neu kaufen sollte:Sie sind, sagen die Hersteller, sparsamer und vielseitiger geworden, und die Möglichkeiten der Computertechnik sollen überdies ganz neue Nutzungen möglich machen.

So verbrauchen die neuen Kühl- und Gefrierschränke nach Angaben des Ceced-Vorsitzenden Hans-Peter Haase 65 Prozent weniger Strom als vor sechs Jahren, die Möglichkeiten der Vernetzung sind freilich erst in Ansätzen erkennbar. Das Bügeleisen mit ISDN-Anschluss, mit dem die Messe wirbt, scheint also noch nicht ganz serienreif zu sein, aber dafür gibt näher liegende Neuerungen wie eine Waschmaschine, die ohne Waschmittel auskommt, einen Internet-Kühlschrank mit Nachbestellautomatik, Staubsauger mit Wasserfilter, ein Computer-Näh- und Sticksystem mit 54 Micky-Maus und 23 Pu-der-Bär-Motiven und Dunstabzugshauben, die auf küchenübliche Kommandos in 23 Sprachen hören. 725 Aussteller fü llen die Hallen, und sie kommen zu drei Vierteln aus dem Ausland.

Überwiegend an die Endverbraucher richten sich die vier „Themenparks“, die Antworten auf die wichtigen Zukunftsfragen zum Thema versprechen:Wie leben wir morgen? Wie setzen wir morgen Energie-Ressourcen ein? Was essen wir morgen? Was erleichtert uns morgen das Leben? Fürs Wochenende haben sich Prominente angekündigt:Jörg Schönbohm, Michael Preetz und Nino di Angelo kochen auf der „ Eventbühne“ in Halle 22 zusammen mit Profis wie Rainer Wolter und Tim Raue - eventuell auch gegen sie, denn die Sache soll in Richtung „Kochduell“ gehen. Auf einer anderen Bühne sind Experten den „Energiefressern auf der Spur“, der Holländer Olivier van der Staal zeigt „Bio-Kochen“, es gibt Musik, Wohltätigkeits-Auktionen und eine Wellness-Bühne. „Home tech for a good life“ lautet das offizielle Motto, doch auch Berliner Einheimische sind gern gesehen in den Messehallen - wenn sie nur bereit sind, sich emotionalisieren zu lassen von Herd, Kühltruhe und Staubsauger.

Messehallen am Funkturm, 2. und 3. März, jeweils 9 bis 18 Uhr, Tageskarte 6, ermä ßigt 5 Euro, Katalog 20 Euro.

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