Zeitung Heute : Helden, Killer, brave Jungs

Hat ein Eishockeyprofi einen Auftragsmörder engagiert?

Matthias B. Krause[New York]

Von Matthias B. Krause,

New York

Amerikanische Sportfans sind Kummer gewohnt. Immer wieder entpuppen sich einstige Helden als Verbrecher. Der bisher spektakulärste Fall: Footballstar O.J. Simpson wurde des Mordes an seiner Ex-Frau und ihres Freundes angeklagt, viele Amerikaner halten ihn trotz des Freispruchs für einen gerade noch davongekommenen Killer. Aber eine Häufung gefallener Idole wie derzeit ist auch in den USA außergewöhnlich. Zuerst die Anklage gegen Basketballer Kobe Bryant von den Los Angeles Lakers, der sich wegen Vergewaltigung verantworten muss. Baseball-Supermann Barry Bonds wird Doping vorgeworfen, und NBA-Basketballer Jason Williams steht vor Gericht, weil er seinen Fahrer erschossen haben soll. Doch kein Fall ist so bizarr wie der von Mike Danton. Kein Drehbuchautor hätte es gewagt, diesen Stoff als Fiktion in Hollywood anzubieten.

Danton, 23, spielte bislang mehr oder weniger erfolgreich Eishockey, zuletzt bei den St. Louis Blues. Die schieden am vergangenen Donnerstag in den NHL-Playoffs gegen die San Jose Sharks aus. Statt die Heimreise anzutreten, wanderte Danton danach direkt ins Gefängnis. Vorwurf: Anstiftung zum Auftragsmord. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll er die 19 Jahre alte Kanadierin Katie Wolfmeyer aufgefordert haben, einen Auftragskiller zu engagieren, um ihm einen Bekannten vom Hals zu schaffen. 10000 Dollar wollte Danton dafür auf den Tisch legen.

Nach dem, was bisher bekannt ist, soll sich die Sache etwa so abgespielt haben: Zu Beginn vergangener Woche prügelte sich Danton, der auf dem Eis als talentarm, aber schlagstark gilt, mit einem Bekannten, warum auch immer. Danach soll er Angst gehabt haben, dass der Mann ihm auflauern könnte. Oder aber seine Geheimnisse verraten und damit seine Karriere ruinieren. Unbestätigten Medienberichten zufolge soll Danton Enthüllungen über Alkoholprobleme und seinen lockeren Lebenswandel mit häufig wechselnden Partnerinnnen befürchtet haben.

Danton griff also zum Telefon und rief Wolfmeyer an, die er als Praktikantin in der Trainingshalle der Blues kannte. Möglicherweise haben die beiden auch ein Verhältnis, aber das ist bislang nur ein Gerücht. Danton also klagte ihr sein Leid und die junge Frau schritt sogleich zur Tat. In Kanada engagierte sie einen Mann, der die tödliche Verschwörung vollenden sollte. Offenbar sollte der Bekannte, den Danton so fürchtete, in dessen Wohnung gelockt wird. Alles hätte wie ein missglückter Einbruchsversuch aussehen sollen. Der mörderische Plan flog auf, weil der als Killer angeheuerte Mann sein Wissen der Polizei offenbarte. So kamen sowohl Danton als auch Wolfmeyer hinter Gitter.

Wenn es allerdings nach Dantons Agenten Dave Frost geht, ist alles nur ein riesiges Missverständnis, ausgelöst durch psychische Probleme seines Klienten. „Er musste einfach Dinge loswerden und braucht dringend Hilfe“, sagte Frost der Lokalzeitung „St. Louis Post-Dispatch“, „das alles hat nichts mit Alkohol, Drogen oder Frauen zu tun, so viel ist sicher. Er ist ein guter Junge, wirklich.“ Ein Blick in seine Personalakte lässt auch andere Schlüsse zu. Demnach entspricht Danton eher dem üblichen, in vielen Filmen aufbereiteten Klischee des nordamerikanischen Eishockeyspielers: raubeinig im Ring, partyfreudig außerhalb, nicht selten von zweifelhaften Gestalten umgeben.

Mike Danton wuchs in Brampton, Ontario unter dem Namen Mike Jefferson auf und machte sich in seiner Jugend in Toronto als Eishockeyspieler einen Namen. Die New Jersey Devils banden den jungen Mann 2000 vertraglich an sich. Zunächst musste er für das Devils-Nachwuchsteam Albany River Rats spielen. New Jersey bestrafte ihn mehrfach, weil er Trainingseinheiten oder Spielen fern blieb. Vor der aktuellen Saison verschickten die Devils Danton nach St. Louis, wo er in 68 Spielen sieben Tore schoss und fünf vorbereitete. Spitzenreiter war er nur, wenn es um Strafzeiten ging. Außerdem verdiente er sich einen Ruf als großmäulig und kampfeslustig – allerdings auch als einer, der hart arbeitet, um seine Talent-Defizit auszugleichen.

Ist Danton psychisch verwirrt oder plante der Sportler tatsächlich einen Mord? Die Frage beschäftigt viele Fans zurzeit mehr als die Ergebnisse der Playoffs.

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