Zeitung Heute : Helfer im Hintergrund

Den Organisatoren und Sponsoren geht es vor allem um eines: Wirtschaftsförderung der besonderen Art

Harald Olkus

Das Programm des Businessplan-Wettbewerbs Berlin-Brandenburg (BPW) kann sich wirklich sehen lassen: Coachings durch Anwälte, Steuerberater und Marketingexperten, Feedback zum Gründungskonzept von Wirtschafts- und Finanzfachleuten, Seminare, Diskussionsrunden und nicht zuletzt Preisgelder in Höhe von insgesamt 55 000 Euro erwarten die Teilnehmer. Und das alles zum Nulltarif. Denn damit möglichst viele Gründer die Chance bekommen, vom BPW zu profitieren, haben sich Organisatoren, Partner und Sponsoren mächtig ins Zeug gelegt, haben Geld- und Sachpreise gespendet oder Mitarbeiter als Juroren oder Coaches zur Verfügung gestellt – und das aus Überzeugung.

„Die beteiligten Sponsoren sind um der Sache willen im Boot und stellen ihre Eigeninteressen dafür in den Hintergrund“, sagt Projektleiter Matthias Haensch von der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB). Die ILB organisiert den Wettbewerb gemeinsam mit der Investitionsbank Berlin (IBB) und der Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg (uvb). Dabei versteht das Triumvirat den BPW in erster Linie als länderübergreifende Einrichtung der Wirtschaftsförderung für die Region. „Unser Kernauftrag ist die nicht-monetäre Förderung durch Vermittlung von unternehmerischem Know-How“, meint Haensch.

„Ein durchdachter Businessplan ist eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Gründung“, findet auch Ben Kühl von der IBB. Das fehlende betriebswirtschaftliche Wissen sei neben der Finanzierung das Hauptproblem junger Firmen. Dagegen „halten Unternehmen, die am Businessplanwettbewerb teilnehmen, länger durch“, sagt Matthias Haensch. Dies habe eine Untersuchung der ersten acht Jahre des Gründer-Wett-

bewerbs ergeben.

Auch die Sponsoren wissen um die Notwendigkeit der regionalen Wirtschaftsförderung. „Deutschland braucht neue Impulse aus der Gründerszene, um die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit des Standortes nachhaltig zu stärken“, findet Wolfgang Branoner, Mitglied der Geschäftsleitung der Microsoft Deutschland GmbH, der bereits zu seiner Zeit als Berliner Wirtschaftssenator aktiver Förderer des Wettbewerbs war. „Die direkte Unterstützung von jungen Unternehmen durch regionale Initiativen ist dabei der erste und wichtigste Schritt.“ Deshalb arbeite Microsoft im Rahmen seiner Gründerinitiative „unternimm was“ bundesweit mit bestehenden erfolgreichen Unterstützungsprogrammen wie dem Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg zusammen.

„Berlin ist mittlerweile zur Gründerstadt geworden,“ begründet Elmer Staudt, Abteilungsdirektor Fördermittel- und Existenzgründungsberatung der Berliner Volksbank, das Engagement seines Hauses. Aber man könne die jungen Unternehmen „nicht alleine losschicken – man muss sie begleiten“. Die Volksbank sei bereits von Anfang an dabei und vielfältig engagiert: „Der erste Kontaktabend der Teilnehmer findet traditionell bei uns in der Volksbank statt“, sagt Staudt. Außerdem stellt die Bank Juroren und Coaches für Seminare und Beratungen zur Verfügung. „Und da wir eine Bank für den Mittelstand sind, ist es eine logische Konsequenz, dass wir die Gründer auch als Kunden gewinnen möchten“.

Die BBB Bürgschaftsbank zu Berlin-Brandenburg GmbH unterstützt den BPW seit Jahren aus Überzeugung. „Weil wir wissen: Je besser sich die Gründerinnen und Gründer auf den Schritt in die Selbstständigkeit vorbereiten, desto höher sind ihre Erfolgschancen“, meint Geschäftsführerin Waltraud Wolf. Das Kreditinstitut will mit seinem Beitrag zum BPW „garantieren, dass alle potenziellen Existenzgründer diese wichtigen Gründungsvorbereitungen nutzen können.“ Das Ziel der Bank ist es, jungen Gründern die erforderliche Finanzierung zugänglich zu machen. Wer ohne bankübliche Sicherheiten keinen Kredit bei der Hausbank erhält, kann sich für eine Bürgschaft an die BBB wenden: „Wenn uns Gründer und Konzept überzeugen, bürgen wir.“

Konrad Pochhammer, Leiter der Berliner Niederlassung der Verhülsdonk & Partner GmbH, denkt in Sachen BPW ganz rational. „Wir sind eine Wirtschaftsberatungsgesellschaft und leben davon, dass es Unternehmen in Deutschland gibt.“ Das einzig Erfolg versprechende Mittel, die De-Industrialisierung in Berlin aufzuhalten, sei die Gründung technologieorientierter Unternehmen. „Hier liegt die Zukunft Berlins und der Region.“ Einzig über den Mittelstand könnten neue beschäftigungswirksame Strukturen aufgebaut werden.

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