Helios : Die Maximalversorger aus Buch

Das Helios-Klinikum ist eines der erfolgreichsten Krankenhäuser Berlins.

Udo Badelt
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"Ich bin überzeugt davon, dass es ohne den Einstieg von Helios das Krankenhaus in Buch nicht mehr geben würde.“
Francesco de Meo, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Helios



Im Norden geht die Sonne auf – zumindest im Berliner Norden. Denn die Helios GmbH, die nach dem griechischen Sonnengott benannt ist und im Stadtteil Buch eine Klinik betreibt, ist wirtschaftlich im Aufwind. Von den schwarzen Zahlen, die hier geschrieben werden, kann manch anderer Krankenhausbetrieb nur träumen. Die oft beschworene Vision des Senats von der Gesundheitsstadt Berlin scheint hier Wirklichkeit zu werden. Das heißt: Eigentlich ist sie es schon seit mehr als 100 Jahren.

Ende des 19. Jahrhunderts wurden in Buch die ersten Krankenhaus-Einrichtungen erbaut. Die schönen steinernen Klinikgebäude, die Stadtbaurat Ludwig Hoffmann bis 1926 errichten ließ, verraten nicht auf den ersten Blick, wofür sie einst gedacht waren. Hier wurden psychisch Kranke, Tuberkulosepatienten und Patienten mit hoher Infektionsgefahr untergebracht. Später, zu DDR-Zeiten, wuchs in Buch eine Krankenhausstadt heran, die mit zeitweise über 6000 Betten als die größte in Europa galt. Nach der Wende war lange unklar, wie es mit dem Städtischen Klinikum und dem Gelände weitergehen sollte. Die Schließung drohte. Am 1. Juni 2001 übernahm Helios das Klinikum, einschließlich einer Schuldenlast von 57 Millionen Euro, vom Senat. 500 von 3000 Beschäftigen wurden entlassen, 167 kleinere Häuser geschlossen und stattdessen ein großer Neubau errichtet. Ein drastischer Schnitt. Aber Helios-Chef Francesco de Meo ist überzeugt, „dass es Buch ohne uns nicht mehr geben würde“.

Das Unternehmen, dem er vorsteht, ist der drittgrößte private Klinikbetreiber in Deutschland. Helios entstand Mitte der achtziger Jahre in Hessen und hatte bis vor zwei Jahren seinen Firmensitz in Fulda. 2004 wurde es von der Fresenius SE für 1,5 Milliarden Euro übernommen und bildet nun einen eigenen Unternehmensbereich. In Deutschland betreibt Helios 62 Kliniken, davon zwei in Berlin (Klinikum in Buch und Klinikum Emil von Behring in Zehlendorf) und zwei in Brandenburg (Klinikum Bad Saarow und Hohenstücken). Und das recht erfolgreich, der Umsatz ist von 1,8 Milliarden Euro (2007) auf 2,1 Milliarden Euro (2008) gestiegen, ein Zuwachs von 15 Prozent. Für 2008 erwartet Helios einen Gewinn von rund 175 Millionen Euro.

Seit zwei Jahren hat das Unternehmen seinen Sitz an der Spree, am Schiffbauerdamm, gegenüber dem Berliner Ensemble. 2007 war auch in anderer Hinsicht ein bedeutendes Jahr. Da wurde der Krankenhausneubau in Buch eröffnet. 200 Millionen Euro hat er gekostet, dafür ist ein langgestreckter Bau entstanden, um dessen Achse sich die Kliniken auf mehreren Etagen gruppieren.

Das Bucher Klinikum ist ein Maximalversorger. Mit der Ausnahme von Transplantationen bietet es das komplette medizinische Leistungsspektrum an. So gehören zum Haus etwa eine Geburtsklinik, eine Augenklinik, eine Jugendklinik, eine Unfallklinik oder eine geriatrische Klinik. Die Zahl der Betten ist im Vergleich zu dem alten Städtischen Klinikum auf 1000 geschrumpft. 2000 Angestellte, darunter 400 Ärzte, arbeiten hier. Sie behandeln jedes Jahr 40 000 Patienten stationär und 125 000 Menschen ambulant.

Zum Beispiel in der Klinik für Strahlentherapie. Hier steht, hinter einem Meter dicken Stahlbetonwänden, die neueste Anschaffung des Krankenhauses: Ein Tomotherapie-Gerät. Ähnlich wie bei einem Computertomographen wird der Patient bestrahlt, hier rotiert allerdings die Strahlenquelle, während die genaue Position des Tumors ständig neu bestimmt wird. Dadurch lässt sich eine wesentlich höhere Genauigkeit beim Bestrahlen und Zerstören von Krebsgeschwüren erzielen. Das Risiko für umliegende Organe, ebenfalls geschädigt zu werden, ist viel geringer. 3,5 Millionen Euro hat das Gerät gekostet, es ist das sechste seiner Art in Deutschland. Täglich werden hier bis zu 35 Patienten je 20 Minuten lang bestrahlt. Natürlich führen auch andere Kliniken wie die Charité solche Therapien durch, aber „ich würde behaupten, dass wir hier im Moment die modernste Strahlentherapie in der Region haben“, sagt Chefarzt Robert Krempien. 13 Ärzte arbeiten an der Klinik für Strahlentherapie. „Der Erfolg einer Behandlung hängt letztlich nicht nur von der Technik ab, sondern auch von der Erfahrung der Menschen, die sie einsetzen.“

In Buch hat man jahrzehntelange Erfahrung in der Zusammenarbeit von Forschung und medizinischer Praxis. Im Falle des Max-Delbrück-Centrums (MDC), dessen Vorläufer zur Akademie der Wissenschaften der DDR gehörte, wurde diese Vernetzung zuletzt zu eng. Die Finanzen konnten nicht mehr auseinandergehalten werden, Vorwürfe der Quersubventionen wurden laut. 2008 lösten Helios und MDC ihren Kooperationsvertrag und arbeiten jetzt auf der Basis einzelner Projektverträge weiter. Den Wachstumskurs von Helios beeinträchtigt das nicht im Geringsten. Gerade erst hat das Unternehmen seine Umsatzerwartung für 2010 von 2,3 auf 2,5 Milliarden Euro nach oben korrigiert.

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