Helmut Schmidt : Der Krisenmanager

Er blieb standhaft in schweren Situationen, oft gegen seine eigene Partei. Wann war Helmut Schmidt besonders stark, und was waren seine Momente?

Christian Tretbar
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GEGEN DIE PARTEI

Auch in dieser Krise bleibt Helmut Schmidt standhaft. Am Ende trägt das ebenfalls zu seinem Machtverlust bei. 1981 kann er die SPD zwar noch auf den Nato-Doppelbeschluss einstimmen, aber nur unter Androhung seines Rücktritts. Die Gefolgschaft in seiner Partei verliert er dennoch. Als Schmidt schon nicht mehr Kanzler ist, demonstrieren rund eine Million Menschen in Bonn gegen die Nachrüstung – auch führende Sozialdemokraten wie Willy Brandt sind unter den Demonstranten. Allerdings kamen wie hier in Bonn schon während seiner Amtszeit Tausende zusammen, um gegen die Nachrüstungspläne der Nato zu protestieren.

Hintergrund ist die Reaktion des Westens auf die Aufrüstung und Aufstellung von Mittelstreckenraketen (SS-20) in der Sowjetunion. Schmidt will das nicht hinnehmen. Zusammen mit seinem amerikanischen, französischen und britischen Kollegen bereitet er den sogenannten Doppelbeschluss vor, den die Nato am 12. Dezember 1979 verabschiedet. 108 Pershing II und 464 Cruisse-Missiles sollen in fünf Ländern aufgestellt werden, darunter alle Pershings und 96 Marschflugkörper in der Bundesrepublik. Gleichzeitig werden den Sowjets Rüstungskontrollverhandlungen angeboten. Wenn die Sowjetunion ihre Raketen wieder abbaue, werde der Westen ebenso auf seine Raketen verzichten.

Die Gespräche zwischen dem Westen und den Sowjets starten allerdings erst zwei Jahre später. Schmidt behält im Rückblick aber recht: Vier Jahre nach seinem Sturz (1982) unterzeichnet der Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, den INF-Vertrag. Dieser legt fest, dass alle SS-20-Raketen und alle Pershing II abgeschafft werden.

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