Zeitung Heute : Hepatitis: Interview: "Das wäre zumindest fahrlässige Körperverletzung"

Muss jemand[der seiner Hepatitis-C-Infektion]

Die Schauspielerin Pamela Anderson wirft ihrem Ex-Mann vor, sie über eine Hepatitis-C-Infektion nicht informiert zu haben. Hepatitis C kann unerkannt und unbehandelt eine schwere Krankheit sein, die hauptsächlich durch Blut übertragen wird. Dazu können schon kleinste Verletzungen ausreichen, Infektionen durch gemeinsam benutzte Nassrasierer, Nagelscheren und Zahnbürsten sind bekannt geworden. Jochen Taupitz ist Experte für Medizinrecht, Richter am Oberlandesgericht Karlsruhe und Professor an der Universität Mannheim. Wir wollten von ihm wissen, ob es eine Informationspflicht gibt.

Muss jemand, der von seiner Hepatitis-C-Infektion weiß, seinen Lebenspartner oder die Partnerin informieren?

Ich denke, schon. Der Infizierte ist verpflichtet, seinen Partner zu informieren, wenn er nicht durch eigene Vorsorgemaßnahmen sicher eine Übertragung der Krankheit verhindern kann, der Partner sich also zusätzlich schützen muss. Informiert er nicht, muss er selbst dafür sorgen, dass sich andere Menschen nicht anstecken.

Welcher Straftat macht man sich schuldig, wenn sich der Partner infiziert?

Wenn man darauf vertraut hat, die Infektion nicht weiterzugeben, wäre dies fahrlässige Körperverletzung. Hat man bei seinem Verhalten eine Übertragung der Krankheit miteinkalkuliert, wäre es vorsätzliche Körperverletzung. Die wird natürlich härter bestraft.

Der Arzt muss normalerweise Stillschweigen bewahren über die Krankheiten seiner Patienten. Darf er es brechen, wenn er annehmen kann, dass der Partner von der schwerwiegenden Infektion seines Lebensgefährten nichts weiß?

Der Arzt muss den Partner nicht informieren, aber er darf es. Wenn der nicht-infizierte Partner denselben Arzt hat wie der infizierte, muss der Arzt sogar sein Schweigen brechen, wenn er nicht sicher sein kann, dass der Infizierte die Information weitergibt. Er darf es auch gegen den Willen des Infizierten. In jedem Fall aber ist der Arzt dazu verpflichtet, den infizierten Patienten eindringlich darauf hinzuweisen, dass er Schutzmaßnahmen treffen und/oder seinem Lebensgefährten von der Krankheit erzählen soll.

Kann jemand, der sich beim Piercen oder tätowieren mit einer schweren Krankheit ansteckt, das Tätowier- oder Piercing-Studio haftbar machen?

Ja, und zwar dann, wenn nachgewiesen werden kann, dass die Infektion von dem Studio stammen muss und die Geräte nicht ausreichend sterilisiert waren.

Piercen und Tätowieren gelten als geringfügige medizinische Eingriffe. Ab welchem Lebensalter kann man sich piercen oder tätowieren lassen ohne Einwilligung der Eltern?

Diese Frage ist schon bei den medizinischen Heilbehandlungen umstritten, zu denen Piercen und Tätowieren ja nicht gehören. Eine Gruppe unter den Juristen plädiert dafür, eine Heilbehandlung nach dem 16., aber vor dem 18. Lebensjahr nur mit Zustimmung der Eltern zuzulassen, eine andere Gruppe sagt, ab 16 Jahren kann der Mensch darüber selbst entscheiden, sofern er einwilligungsfähig ist. Ich selbst gehöre zu dieser zweiten Gruppe. Und ich persönlich würde auch beim Piercen oder Tätowieren die Altersgrenze "16 Jahre" ziehen.

Und vor dem 16. Lebensjahr müssen immer die Eltern zustimmen?

Ja.

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