Zeitung Heute : Herausforderung

Wie die Wertpapieraufsicht reformiert wurde

-

„Sollten HedgeFonds reguliert werden?“ Meine einfache Antwort auf diese Frage lautet „Ja!“ Sie sollten zumindest auf die Art und Weise reguliert werden, wie dies die Securities and Exchange Commission (SEC) bis heute getan hat. Die Reform der Wertpapieraufsicht in den USA ist im Zusammenhang mit den Unternehmens- und Fonds-Skandalen der 90er Jahre sowie Anfang dieses Jahrtausends zu sehen. Die Reformen waren das Resultat von verschiedenen systematischen Fehlern. Zu oft erwiesen sich die Prüfungsunterlagen und Bilanzen in der Vergangenheit vorgelegt wurden, als fehlerhaft. Die SEC hat daraufhin ein Regelwerk vorgelegt und in Kraft gesetzt, das für eine ausführlichere und zeitnahe Veröffentlichung in der Finanzbranche steht.

Der aufsichtsrechtliche Ansatz der SEC ist eine Kombination aus der Durchsetzung von Regeln in jeweils auftretenden einzelnen Fällen und dem eigentlichen grundlegenden Regelwerk. Hinsichtlich der Schaffung des Regelwerks bestand die Idee der SEC darin, die Verlockungen und Missbrauchsmöglichkeiten für die Marktteilnehmer zu beseitigen, die bei den Mutual Fonds in der Vergangenheit im Zusammenhang mit den Möglichkeiten des Handels von Wertpapieren zu bestimmten Börsenzeiten auf der einen und der Feststellung des Werts der jeweiligen Fondsanteile bestanden. Diese Praktiken haben wir im Rahmen der beschlossenen gesetzlichen Reformen verboten. Im Anschluss daran sind wir dann dazu übergegangen, die Bekanntmachungen und Offenlegungen in der Wertpapierdienstleistungsbranche zu verbessern und die Überwachung der Mutual Fonds-Branche zu reformieren.

Wenn es speziell um Hedge-Fonds geht, muss ich mit dem Mythos aufräumen, dass von Seiten der SEC eine voreilige Beurteilung stattgefunden hat. Nach reiflicher Überlegung hat die SEC im Jahr 2004 das bestehende Gesetzeswerk für Hedge-Fonds-Berater reformiert und zugleich einige Zusatzregeln verabschiedet.

Der von uns in der Vergangenheit gewählte Ansatz, bei Hedge-Fonds möglichst „die Hände aus dem Spiel zu lassen“, mussten wir aus verschiedenen Gründen ändern. Erstens sind Hedge-Fonds vergleichsweise neu und ihr Wachstum ist als dramatisch zu bezeichnen: Vor acht bis zehn Jahren hielten Hedge-Fonds rund 100 Milliarden US-Dollar an Vermögenswerten. Unabhängige Schätzungen im New Yorker Finanzdistrikt rund um die Wall Street sprechen heute von einer Zahl zwischen 1,0 und 1,5 Billionen Dollar.

Der zweite Grund für unsere Aktivitäten war darin zu sehen, dass die Zahl von Betrugsfällen, in die Hedge-Fonds in der Vergangenheit verwickelt waren, in der jüngsten Zeit stark zugenommen hat. Und davon waren sowohl Hedge-Fonds-Investoren als auch andere betroffen. Hedge-Fonds wie Canary (dieses Hedge-Fonds-Unternehmen war in der Vergangenheit in den Blickwinkel der SEC geraten, nachdem es Mutual Fonds auf illegale Weise gehandelt hatte, d. Red.) und viele andere nicht bei der SEC registrierte Hedge-Fonds-Berater hatten bekanntlich einen korrumpierenden Einfluss auf die Branche der Mutual Fonds, was dann auch zum großen Mutual-Fonds-Skandal in den USA führte.

Und nicht zuletzt galt es für die SEC bei ihrer Arbeit zu beachten, dass Hedge-Fonds in eine Phase eingetreten sind, in der sie auch private Anleger erreichen. Hedge-Fonds stehen nicht mehr länger nur exklusiv reicheren Anleger zur Verfügung, sondern sind inzwischen praktisch allen Anlegergruppen zugänglich.

Mit dieser Verbreiterung des Hedge-Fonds-Zugangs sind größere Sicherheitsrisiken verbunden; nämlich dort, wo die Vermögen und Spargelder der breiten Öffentlichkeit und karitativer Investmentfonds involviert sind.

Wo liegen die Vorteile der neuen Regelung von Investment-Beratern der Hedge-Fonds im Hinblick auf die Kostenanalyse? Zum einen werden der SEC jetzt akkurate Informationen über die Fonds selbst zur Verfügung stehen. Zum zweiten werden die Veröffentlichungen über die Investment-Beratern der Hedge-Fonds jetzt auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Solche Offenlegungen werden Betrüger davon abhalten, das Hedge-Fonds-Spektrum zu betreten und den Anlegern dadurch Ausgaben für eigene kostspielige Recherchen sowie für den so genannten „Due-Diligence-Prozess“ – für die Sorgfältigkeits-Prüfung des Hedge-Fonds also - ersparen.

Drittens sieht das neue Regelwerk für Hedge-Fonds moderate Anforderungen an die Buchführung als Ergänzung zu den typischen Kontoführungen vor. Viertens erhalten Anleger hierdurch einen Schutzmechanismus, wenn Hedge-Fonds Vermögenswerte ihrer Klienten selbst verwalten und verwahren. Dies ist eine nützliche, gleichzeitig jedoch nicht besonders kostenaufwendige Sicherheitsmaßnahme. Und fünftens wurden neue Sicherheitsmaßnahmen hinsichtlich der Einhaltung und Erfüllung bestehender Gesetze (Compliance) erlassen. Hedge-Fonds brauchen also jetzt einen so genannten „Compliance Officer“, der die Einhaltung der Vorschriften mit Hilfe interner Überwachungs-Programme prüft. Hedge-Fonds müssen jetzt mindestens 25 Millionen US-Dollar ihrer gesamten Vermögenswerte in Wertpapieren der öffentlichen Hand halten.

Macht die Prüfung und Kontrolle von Hedge-Fonds durch die SEC einen Unterschied? Sie haben sicher einen großen Unterschied bei der Offenlegung des Mutual-Fonds-Skandals gemacht. Das Programm zur Überprüfung von Hedge-Fonds-Beratern ist jedoch noch wichtiger. Denn rund 40 Prozent der Anlageberater der Hedge-Fonds sind heute bei der SEC registriert. Fünf von acht gegen SEC-registrierte Anlageberater von Hedge-Fonds vorgebrachte Fälle resultierten in den vergangenen drei Jahren eben aus Kontrollen der Behörde.

Harvey J. Goldschmid ist ehemaliger Commissioner – also Ausschuss-Mitglied – der US-Wertpapieraufsichtsbehörde SEC; er lehrt heute als Professor für Rechtsfragen an der Columbia University. Aus dem Englischen von Udo Rettberg

Fortsetzung von Seite B1

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!