Zeitung Heute : Herausgeber des Blattes ist der ortsansässige Kleinverleger Michael Zäh

Heinz Siebold

Noch mehr Zeitung, noch mehr Papier - und das im Zeitalter des Internet? Nach Berlin und Köln will ein Verleger jetzt auch in Freiburg eine kostenlose Tageszeitung am Spätnachmittag herausbringen. Allerdings nur Dienstag bis Freitag. Und der Herausgeber des Blattes wird kein überregionaler Medienkonzern, sondern der ortsansässige Kleinverleger Michael Zäh sein, der seine GmbH eigens dafür in eine Aktiengesellschaft umwandeln will.

Bereits seit November 1997 spielt 41jährige Jungverleger, Ex-Fußballer und Magister Michael Zäh den Hecht im Medienteich. Als damals personalpolitische und wirtschaftliche Querelen die örtliche Monopolzeitung "Badische Zeitung" erschütterten, stieß Zäh geschickt mit seiner "Zeitung zum Sonntag" (ZuS) auf den Markt, die er flächendeckend kostenlos in Briefkästen stecken ließ. Das Blatt (Auflage: 130 000) hebt sich von den sonstigen Anzeigenblättern durch die journalistische Qualität und ein ansprechendes Layout ab. Sieben BZ-Redakteure wechselten zur ZuS und Zäh gelang es, mit Gruner + Jahr einen finanzstarken Partner ins Boot zu holen, der das Freiburger Modell auch andernorts ausprobieren wollte. Die Versuche in Heilbronn und Karlsruhe wurden jedoch im Herbst vergangenen Jahres wieder eingestellt. Die "Renditeerwartungen" hätten sich nicht so entwickelt, wie die Bertelsmann-Tochter erhofft hatte. Die kurze Ehe war für Zähs ZuS dennoch ein Segen. Sämtliche Anfangsinvestitionen sind getilgt. Gruner+Jahr hat eine "enorme Summe" (Zäh) in Freiburg gelassen, über deren Höhe ausdrücklich niemand sprechen darf.

Da auch die mit 25 Prozent beteiligte "Basler Zeitung" - sie druckt bisher die ZuS - aussteigen will, stand Zäh mit seiner Truppe unvermittelt wieder alleine da. Ohne neuen Investor hätte die "Zeitung zum Sonntag" mit ihren 20 Redakteuren und 30 weiteren Mitarbeitern höchstens noch mit halber Belegschaft überleben können. Denn noch steckt die ZuS in den roten Zahlen. Auch im Geschäftsjahr 2000 werden bei 7,3 Millionen Mark erwarteten Erlösen 2,2 Millionen Mark Verluste eingeplant. Das neue Konzept Abendzeitung hat einen Finanzierungsbedarf von 3,5 Millionen. Nur wenige Wochen nach dem Ausstieg von Gruner und Jahr konnte Michael Zäh jetzt einen bislang namentlich nicht bekannten Investor aus Stuttgart gewinnen, eine Beteiligungsgesellschaft, die Risikokapital zur Verfügung stellt. Zäh ist damit seinem Ruf, ein begabter Finanzjongleur zu sein, gerecht geworden.

Der Kampf um den Anzeigenkuchen im badischen Süden wird über Erfolg oder Misserfolg der neuen Abendzeitung entscheiden. Die ZuS wird weiterhin sonntags erscheinen, die Abendzeitung ab April von Dienstag bis Freitag jeweils um etwa 17 Uhr. Sie soll, so Redakteur Wolfgang Prosinger, "schnell sein, aber kein Boulevardblatt, eine eigene Meinung und viel Gebrauchswert haben". "15 Uhr aktuell" in Berlin oder die Kölner Blätter sind kein Vorbild, an denen man sich redaktionell orientiert, höchstens bei den Vertriebsmethoden. An einem Tag wird die Auflage von 50 000 Exemplaren komplett in Briefkästen gesteckt. Sonst werden Austräger in einheitlichen Overalls und Mützen an Straßenbahnhaltestellen, Verkehrsknotenpunkten, vor Supermärkten und Großbetrieben die Zeitung zum Feierabend anbieten. Wer will, kann sich die Zeitung aber auch gegen eine Zustellgebühr von 60 Pfennig ins Haus liefern lassen.

Bei der "Badischen Zeitung" und dem "Badischen Verlag" übt man sich derweil in Gelassenheit. Juristische Schritte gegen die kostenlose Verteilung der Abendzeitung sind nicht vorgesehen. Verlagsgeschäftsführer Christian Nienhaus hält die wirtschaftlichen Prognosen von ZuS-Verleger Michael Zäh nicht für seriös: "Er wird nicht auf den grünen Zweig kommen."

Der Kölner "Zeitungskrieg" erhält unterdessen möglicherweise eine internationale Dimension: Im Streit um die Einführung der Gratis-Zeitung "20 Minuten Köln" des norwegischen Medienkonzerns Schibsted will der Kölner Zeitungsverlag M. DuMont Schauberg mit einem eigenen kostenlosen Blatt in Oslo antworten.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar