Zeitung Heute : Herausgebildet

Die ersten deutschen Eliteunis liegen im Süden – sie werden sich auch langfristig an der Spitze behaupten

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Mit der TU München, der Universität München und der Universität Karlsruhe stehen die ersten deutschen Eliteuniversitäten fest. Wie verändert diese Entscheidung die deutsche Hochschullandschaft?

21 Millionen Euro soll jede Eliteuniversität pro Jahr bekommen. Auf den ersten Blick ist das nicht viel Geld, um eine Hochschule zu einem „internationalen Leuchtturm“ zu machen. So jedenfalls lautet das Ziel des Elitewettbewerbs. Die Ludwig-Maximilians-Universität München, die als eine von drei Unis jetzt in der ersten Runde des Wettbewerbs zur Siegerin gekürt wurde, konnte 2004 insgesamt 379 Millionen Euro ausgeben. Ähnlich hoch sind die Budgets der beiden anderen Siegeruniversitäten, der Technischen Universität München und der Universität Karlsruhe. Die US-Hochschule Stanford, das Paradebeispiel einer internationalen Spitzenuni, verfügt dagegen jährlich über einen Etat von 2,8 Milliarden Dollar.

Trotzdem könnte der Wettbewerb die deutsche Universitätslandschaft grundlegend verändern, wie der Elitenforscher Michael Hartmann von der Universität Darmstadt sagt. Noch sei der Unterschied zwischen den deutschen Hochschulen nicht groß. Der Elitewettbewerb werde aber dazu führen, dass es in zehn Jahren „riesige Abstände“ zwischen den Unis gebe. Denn auch die Forschungsgelder aus anderen Programmen würden sich künftig auf die siegreichen Hochschulen konzentrieren, sagt Hartmann. Um nach dem Auslaufen der Förderung in fünf Jahren das Niveau an den neuen Eliteunis zu halten, würden sie „mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit mehr Landesmittel bekommen“ – zulasten der anderen Hochschulen.

Das deutsche Universitätswesen stehe so vor einer „dauerhaften Aufspaltung in zwei Typen von Universitäten: Forschungs- und Ausbildungsuniversitäten“, sagt Hartmann. An den Forschungsuniversitäten würden künftig die Spitzenwissenschaftler an ihren Projekten arbeiten, während die Lehre in den Hintergrund gedrängt werde. Neben den künftigen Eliteunis würden zu diesen Forschungsuniversitäten auch jene zählen, die in den beiden anderen Disziplinen des Wettbewerbs sehr gut abschneiden. Hochschulen also, die mehrere mit etwa sechs Millionen Euro dotierte fachübergreifende Forschungsvorhaben gewinnen konnten (sogenannte „Exzellenzcluster“), oder Graduiertenschulen, in denen Doktoranden ausgebildet werden sollen und für die die Unis eine Million Euro im Jahr bekommen sollen. Nach dem Ergebnis der ersten Runde werden das vor allem die Unis in Süddeutschland sein. 16 der 35 jetzt ausgewählten Vorhaben gehen nach Bayern und Baden-Württemberg. Die neuen Bundesländer gehen dagegen bis auf ein Vorhaben leer aus. Allerdings erhalten alle Unis in der bereits angelaufenen zweiten Runde des Wettbewerbs eine neue Chance, den Elitestatus sowie Forschungsvorhaben und Graduiertenschulen zu gewinnen.

Die im Wettbewerb nicht erfolgreichen Hochschulen drohten dagegen ähnlich wie Fachhochschulen zu reinen Ausbildungsstätten zu werden, sagt Hartmann. An ihnen würde kaum noch geforscht, sondern Studenten „zügig auf den Beruf“ hin ausgebildet.

Dass der Elitewettbewerb „die Forschungslandschaft in diesem Lande grundlegend verändern wird“, glaubt auch Ernst-Ludwig Winnacker, der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Die universitäre Forschung soll aus dem Schatten der außeruniversitären Institute wie denen der Max-Planck-Gesellschaft und der Helmholtz-Gemeinschaft heraustreten. An den üppig finanzierten Instituten findet bisher ein Großteil der Spitzenforschung statt.

Elitenforscher Hartmann betont, dass sich außerdem auch die Bedeutung der Fachgebiete verschieben würde: zugunsten der Natur- und Ingenieurwissenschaften und zulasten der Geisteswissenschaften. So sind zwei der drei Sieger technische Universitäten.

Vor einer Überbewertung des Elitewettbewerbs warnt dagegen Klaus Landfried, der ehemalige Chef der Hochschulrektorenkonferenz. Das Geld für die Exzellenzinitiative stamme zum größten Teil aus den Mitteln, die früher für den Hochschulbau ausgegeben wurden. „Unter dessen schrittweiser Ausdünnung leiden auch die Spitzenunis“, sagt Landfried. Wer Spitze wolle, müsse auch die Breite systematisch fördern. Die nötige Breitenförderung fehle aber völlig – und gerate mit der Fixierung auf die derzeit starken Universitäten und Fachbereiche weiter aus dem Blick.

Fotos: dpa (2), AP / Montage: Mika

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