Zeitung Heute : Herbert Wessels soll Peter Philipps ablösen - Gründe werden nicht genannt

Reinhart Bünger

Der Streit um die Vormachtstellung auf dem Markt der seriösen Tagespresse in Berlin geht in eine neue Runde: Die "Berliner Morgenpost" erhält einen neuen Chefredakteur. Das teilte der Axel Springer Verlag am Freitag mit. Herbert Wessels, seit 1997 Chefredakteur und Leiter des Springer Auslandsdienstes, ersetzt Peter Philipps, der seit 1996 an der Spitze der Tageszeitung steht. Über die Gründe der Ablösung wurden - wie bei Springer üblich - keine Angaben gemacht. Unternehemssprecherin Edda Fels betonte auf Anfrage, es handele sich um eine "Sammelpersonalie". Wenn ein Kollege das Unternehmen verlasse, müsse man die Spitze neu ordnen. So wird der bisherige Leiter der Springer-Journalistenschule, Chefredakteur Klaus Stampfuss (56), den Verlag zum Ende dieses Jahres verlassen. Diese Position soll nun Philipps übernehmen. Der 50-jährige Journalist habe den Neuaufbau der "Morgenpost" abgeschlossen; die Leitung der Journalistenschule könne nicht ein "Dahergelaufener" übernehmen.

Wessels (54) sei für den Springer-Auslandsdienst (SAD) "auch wichtig", andererseits aber "ein Journalist, der gerne noch einmal ein Blatt machen will". Wessels gehört dem Verlag seit 1987 an, unter anderem als stellvertretender Chefredakteur "Hamburger Abendblatt". 1997 wurde er zum Chefredakteur des Springer-Auslandsdienstes berufen. Wessels sei für die neue Aufgabe der "Idealkandidat" des Zeitungsvorstandes bei Springer, Claus Larass und von Springer-Vorstandschef August ("Gus") Fischer gewesen, erklärte Springer-Sprecherin Fels.

Philipps ist seit 1996 Chefredakteur der "Berliner Morgenpost", die im dritten Quartal dieses Jahres eine verkaufte Auflage von 166 023 Exemplaren hat (Montag bis Sonntag). Im dritten Quartal 1996 hatte die verkaufte Auflage der Springer-Zeitung noch bei 180 679 Exemplaren (Montag bis Sonntag) gelegen. Philipps hatte seine Tätigkeit für Springer 1975 als Redakteur Bild/Bild am Sonntag in Berlin begonnen. Er war zudem unter anderem Korrespondent der Tageszeitung "Die Welt" in Bonn und ab 1987 deren stellvertretender Chefredakteur. Mit Philipps hatte der zum Axel-Springer-Verlag gehörende Ullstein-Verlag Schritt für Schritt begonnen, die "Berliner Morgenpost" zu modernisieren. Die "Berliner Morgenpost" - vor dem Mauerfall "Platzhirsch" unter der West-Berliner Abonnementszeitungen - solle "wieder Nummer eins werden", hatte Philipps noch Mitte Oktober erklärt. Philipps hatte sein Amt in Berlin von Morgenpost-Chefredakteur Bruno Waltert übernommen, der das Blatt seit 1988 geleitet hatte.

Dem Springer-Auslandsdienst steht künftig Jörg F. Hüls (55) vor. Er übernimmt die Stelle im Range eines stellvertretenden Chefredakteurs, teilte der Verlag mit. Hüls hatte seine Laufbahn 1969 als Redakteur bei "Bild" und "Bild am Sonntag" begonnen, war Mitglied der Chefredaktion "Sport Bild" und stellvertretender Chefredakteur von "Hörzu". Seit 1992 ist er Mitglied der Chefredaktion "Bild".

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