Zeitung Heute : Herr Breuer bedankt sich

Der Tagesspiegel

Rolf E. Breuer ist ein höflicher Mensch. Nicht, dass der Chef des größten deutschen Geldhauses ein Fan rot-grüner Regierungspolitik wäre; doch der Vorstandssprecher der Deutschen Bank weiß, was sich gehört. Schließlich hatte Kanzler Schröder den deutschen Finanzinstituten ein unerwartetes Geschenk gemacht: Breuer und seine Kollegen dürfen seit diesem Jahr ihren reichhaltigen Besitz an Industriebeteiligungen neu sortieren – ohne dafür Steuern zu zahlen. Dafür bedankt sich Breuer artig. Für den Kanzler holt er ein heißes Eisen aus dem Feuer: Nichts wäre für den blamabler, als dass der traditionsreiche Baukonzern Philipp Holzmann ausgerechnet jetzt in Konkurs ginge – zwei Jahre nach der publikumswirksamen Schröderschen Rettungsaktion. Jetzt, wo die Arbeitslosenzahlen neue Rekordhöhen erklimmen, wo jeder einzelne Job in Deutschland gebraucht wird. Zugegeben: Die Deutsche Bank hat als Holzmann-Großaktionär ohnehin schon so viel Geld im Frankfurter Bauriesen verbrannt, dass es auf die ein oder andere Million fast nicht mehr ankommt. Holzmann ist aber schon wieder pleite – nur traut sich niemand, das offen zu sagen. Breuer hat keinen Grund, schlechtem Geld gutes hinterherzuwerfen – wenn nicht gewählt würde. fo

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