Zeitung Heute : Herrschaftlich tagen

Schlösser bieten ein besonderes Ambiente – und mitunter günstige Preise

Alva Gehrmann

Will der Gast ein König sein, so braucht er auch ein Schloss, das ist das Motto von Brigitta Weinschneider, Geschäftsführerin des Schloss’ Kaulsdorf. Das Berliner Hotel hat sich unter anderem auf Tagungsgäste spezialisiert, die eine Alternative zu den stereotypen Konferenzräumen suchen.

Im Schloss Kaulsdorf tagt man im Spiegelsalon, im Rosa Salon oder im Ballsaal. Mit 150 Quadratmetern ist der Ballsaal der größte der insgesamt sieben Tagungsräume. Wer ihn betritt, fühlt sich in eine andere Zeit versetzt: Parkettboden, Spiegelwände, Stuck, glänzende Kronleuchter – dazu rote Samtstühle und Palmen. Hinter der neoklassizistischen Einrichtung verbirgt sich moderne Tagungstechnik: ein in die Decke eingebauter Videobeamer und eine ausfahrbare Leinwand gehören ebenso dazu wie Wireless Lan.

Das historisch wirkende Schloss Kaulsdorf ist gerade einmal fünf Jahre alt – und somit das jüngste Schloss Berlins. Geschäftsführerin Brigitta Weinschneider glaubt, dass es eine Sehnsucht nach Romantik gibt, deshalb kam ihr nach der Wende die Idee zu diesem ungewöhnlichen Hotel. Schon zu DDR-Zeiten hatte sie in Kaulsdorf eine kleine Pension. Nun führt sie gemeinsam mit ihrer Tochter Berit Theilig das Schloss.

Das Hotel orientiert sich auch bei der Farbwahl an den alten Zeiten. Neben Apricot und Weiß gibt es eine dominierende Farbe: Rosa. Überall ist es rosa. „Damals, beim letzten Schlossbau, ging man von der Farbe Gelb auf Rosa über, deshalb ist auch unser Schloss farblich so gehalten“, sagt Brigitta Weinschneider.

Trotz des ungewöhnlichen Ambientes, ist es gar nicht so teuer im Schloss Kaulsdorf zu tagen. Das Tagungsarrangement ohne Übernachtung beginnt bei 26 Euro pro Gast, mit Übernachtung bei 118 Euro. Den Ballsaal kann man für 300 Euro am Tag mieten.

Zu den Kunden gehören unter anderem die Deutsche Telekom, der DGB, die Automobilfirma Volvo oder die Deutsche Bahn. Vor kurzem tagten Mitarbeiter des Musikkonzerns Universal im Terrassensaal, der über eine eigene Gartenterrasse verfügt. Im Anschluss an ihre Tagung machten sie ein Barbecue – das Grillen übernahm ein Koch, ihr Bier zapften sich die Universal-Mitarbeiter selbst. Für eine Rokokoparty im Ballsaal wurde sogar das Personal entsprechend kostümiert. Gerade Gäste aus den USA, aber ebenso aus China und Arabien reizt das schlossartige Ambiente, sagt Geschäftsführerin Birgit Theilig.

Kunden aus aller Welt kommen auch ins Schloss Reichenow, in der Nähe von Straußberg. Anders als beim Kaulsdorfer Schloss handelt es hierbei wirklich um ein historisches Gebäude. Einst war das Herrenhaus Sitz der Adelsfamilie von Eckhardstein. Heute befindet sich im Schloss der englischen Neogotik ein Tagungs- und Verwöhnhotel.

Außerhalb Berlins gelegen – direkt am See und von einem dichten Wald umgeben – soll der Tagungsgast in Reichenow einen entspannten Ort zum Arbeiten finden. Es gibt drei Tagungsräume, die individuell eingerichtet sind. Im Blauen Salon etwa steht ein wellenförmiger Konferenztisch. Den haben die Hotelchefinnen selbst entworfen. Ihre Idee war, dass man sich an so einem Tisch lockerer und entspannter gegenübersitzt. „Alles fließt, alles ist in Bewegung. Das ist auch unser Motto“, sagt Ulla Hahn, eine der Chefinnen von Schloss Reichenow.

„Märchenschloss mit 13 guten Feen“, so nennen sie sich. Alle Mitarbeiter sind Frauen. Trotzdem seien sie kein Frauenhotel. „Vielmehr ist es ein von Frauen geführtes Hotel.“

Ihre Kunden, zu denen unter anderem Daimler-Chrysler, Ikea und die Schering AG zählen, genießen im Schloss Reichenow die Ruhe. Tagungsgäste, die im Hotel übernachten, können kostenlos die Sauna nutzen. Das Hotel verfügt über 21 Zimmer, die Tagungspauschale mit Übernachtung beginnt bei 79 Euro pro Person im Doppelbettzimmer (im Einzelzimmer 100 Euro).

Auch im Hotelzimmer wird der Tagungsgast kaum abgelenkt, es gibt dort nämlich nur auf Wunsch Fernseher. Sofern sie nicht am See oder im Wald spazieren gehen, treffen sich viele Tagungsgäste am Abend in der Schlosswirtschaft. Dort steht ein Billardtisch bereit, ebenso liegen überall Spiele und Bücher.

Wenn Tagungsgäste doch etwas Extremeres suchen, finden sie dies in der Nähe von Reichenow. Dort war zu DDR-Zeiten Honeckers Bunker. Es gibt Führungskräfte, die sich dort einbuchen, sagt Ulla Hahn. Das Schloss Reichenow liefert den Gästen dann das Büffet. Manche übernachten sogar im Bunker.

Sowohl das Schloss Reichenow als auch das Schloss Kaulsdorf haben neben Tagungsgästen noch eine weitere, spezielle Klientel: Hochzeitspaare. Denn beide Schlösser sind außerdem Hochzeitshotels, die über Trauzimmer verfügen, so dass sie eine offizielle Außenstelle des Standesamtes sind.

„Siebter Himmel“ heißt in Schloss Kaulsdorf das Hochzeitszimmer, darin können sich auch Tagungsgäste einbuchen. Ebenso ins „Storchennest“, das verfügt über einen Sound-Pool. Der sorgt nach einem anstrengenden Tagungstag für die perfekte Entspannung – je nach Geschmack berieselt er beim Baden die Gäste mit leisem Vogelgezwitscher oder Wellengeräuschen.

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