Hertha gegen Bayern : Wie kann man bloß gegen die Bayern gewinnen?

Heimspiel gegen die Bayern. Das ist für viele Fußball-Bundesligisten das Highlight der Saison. Hertha BSC Berlin kommt am Sonnabend in diesen Genuss. Aber wie schlägt man den FC Bayern bloß?

Sebastian Krass[München]

Eigentlich ist der große FC Bayern nicht zu besiegen. Punkt. Sieht man mal von den norddeutschen Bremen, Hannover und Hamburg ab, denen das in dieser Saison bereits gelungen ist. Und tatsächlich gibt es einen Schlüssel zum Erfolg für jeden bajuwarischen Gegner. Er heißt Christian Lell, Abwehrspieler auf der rechten Seite. Dort ist Bayern verwundbar.

Es reicht, den Rekordmeister zehn Minuten spielen zu sehen, um das Gravitationszentrum zu entdecken. Es liegt am linken äußeren Rand, heißt Franck Ribéry und bestimmt das Spiel des FC Bayern. Der Franzose belebt die Offensive mit Ideen, die kein anderer Spieler in der Bundesliga hat oder die zumindest kein anderer umsetzen kann. Ribérys Spiel macht süchtig, die Fans und das bayerische Spiel. Alles hängt von ihm ab. Beim 3:1 gegen Borussia Dortmund am vergangenen Sonntag war die Unwucht im Spiel der Bayern wieder schön zu beobachten. Im Aufbau landet der Ball früher oder später fast immer bei Ribéry. Und weil selbst ihm mal ein Ball verspringt und Ribéry dann nur ungern nachsetzt, müssen die anderen Spieler umso mehr Acht geben. Zé Roberto und Linksverteidiger Philipp Lahm sind dabei, dem taktischen Schema folgend, zuerst gefordert. Doch das allein reicht nicht. „Wir kriegen das immer besser hin, dass die ganze Mannschaft auf die linke Seite verschiebt“, sagt Lahm. „Schweini rückt dann auch rüber.“

Die Bayern denken im Ballbesitz fast nur in eine Richtung

Schweini, der mit bürgerlichen Namen Bastian Schweinsteiger heißt und eigentlich auf der rechten Seite spielt, erfüllt damit die Anforderungen an den modernen Fußball: Er verschiebt. Sich und das Spiel des FC Bayern auf die linke Seite. Doch das ist nicht nur modern, sondern auch problematisch. Denn die Bayern denken in Ballbesitz fast nur in eine Richtung. Nur in Ausnahmefällen lenken sie ihr Spiel nach rechts. Erstens weil dort kein Ribéry ist, der sein Hoheitsgebiet nur selten verlässt. Und zweitens fehlt auf jener Seite die fußballerische Qualität. Mark van Bommel und Rechtsverteidiger Christian Lell mangelt es an technischem Vermögen und schneller Auffassungsgabe. Die am Samstag gegen Berlin noch gesperrte Lell-Alternative Massimo Od do ist nicht schnell genug. Und selbst Schweinsteiger, der sich etwas verloren vorkommen muss, sagt: „Wir versuchen, unsere große Stärke mit Ribéry zu nutzen. Deshalb versuchen wir, das Spiel über ihn aufzubauen.“

Momentan gibt der Erfolg dem System recht. Seit dem siebten Spieltag, seit Ribéry nach auskurierter Verletzung wieder von Anfang an mitspielt, haben die Bayern nur noch ein Spiel verloren. Dennoch. Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann sagt zwar auf die Frage, wie man sein Team schlagen kann: „Da gehört sehr, sehr viel dazu“, aber eigentlich reichen zwei Dinge aus: Ribéry ausschalten und alle auf Lell.

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