Zeitung Heute : Hertha ist Meister

NAME

Von André Görke

Dieter Hoeneß lässt sich selten auf den maroden Sportplätzen der Stadt blicken. Was soll er dort auch? Hoeneß hat einen stressigen Job. Er ist Manager des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC, und die wenigen freien Tage verbringt er lieber daheim. Neulich hat Hoeneß eine Ausnahme gemacht: Sein Sohn Sebastian spielt für die Amateure seines Klubs. Ein unspektakuläres Vergnügen. In der viertklassigen Oberliga geht es seit Monaten eigentlich nur darum, wie viele Tore der Bundesliga-Nachwuchs schießt. Als Hertha auch gegen den Tabellenzweiten Tennis Borussia vier Tore erzielt hatte, sagte Hoeneß nur: „Wir müssen raus aus dieser Liga. Unsere Spieler sind da völlig unterfordert.“

Am Sonntagnachmittag knüpften sich Herthas Amateure nun Eintracht Schwerin vor. Am Ende hieß es 5:2, und nach dem Abpfiff ließen die Jungs in der Kabine die Bierflaschen kreisen. Die Amateure von Hertha BSC sind Meister der Oberliga-Nordstaffel. Trainer Frank Vogel kann die Mannschaft auf die Regionalliga-Aufstiegsspiele vorbereiten. An den ersten Wochenenden im Juni geht es gegen den Meister der Südstaffel. Tabellenführer im Süden ist Dynamo Dresden, ein ehemaliger Bundesligist. Trainer Vogel sagt: „Dresden ist klarer Favorit.“ In der vergangenen Saison scheiterte der BFC Dynamo am Meister des Südens, dem 1. FC Magdeburg.

Ein, zwei Profis werden Herthas Amateure in den Relegationsspielen verstärken. Thorben Marx wäre ein Kandidat. Und Trond Ludvigsen. Die beiden haben Profiverträge, sind aber noch jung genug, um für die Amateure spielen zu dürfen. Den Erfolg lässt sich Hertha einiges kosten. „Wir investieren zweieinhalb Millionen Euro in unseren Nachwuchs“, sagt Manager Hoeneß. Das Geld ist gut angelegt. Vor einigen Tagen qualifizierte sich die B-Jugend für die deutsche Meisterschaft. Und am Himmelfahrtstag gewannen Herthas Jugendmannschaften im Kollektiv den Berliner Pokal. Bis hinunter zur D-Jugend.

Auch für Herthas A-Jugend, die am Samstag 7:1 gegen TeBe gewann, sieht es gut aus. Die Mannschaft von Trainer Michael Wolf ist Tabellenzweiter, spielt aber am letzten Spieltag bei Spitzenreiter Hansa Rostock und kann noch Meister werden. Trainer Wolf macht seinen Job so gut, dass ihm der Hamburger SV ein Angebot gemacht hat. Wolf hat abgelehnt. Vor zwei Jahren gewann er mit Herthas B-Jugend die Meisterschaft. Vor dieser Saison hatte er 13 seiner Stammspieler an Herthas Amateure abgeben müssen, und „im Sommer werden sieben Spieler aufrücken“, sagt Vogel. Der Trainer der Amateurmannschaft übernimmt den Posten des Jugend- und Amateurkoordinators. Dirk Schlegel, der ein Jahr Herthas B-Jugend trainierte, kümmert sich dann um die Amateure. „Für ihn sprechen die Erfolge“, sagt Vogel. Welche Erfolge? Vogel sagt: „Die sind intern.“

Thorben Marx hat den Sprung von der A-Jugend über die Amateurmannschaft sogar zu den Profis geschafft. Joel Tchami und Sofian Chahed stehen kurz davor. Chahed hatte mit Wolf die deutsche Meisterschaft gewonnen. Vor zwei Wochen spielte der Deutsch-Tunesier für die deutsche U-19-Nationalmannschaft, musste dann jedoch vorzeitig nach Berlin zurückreisen. Grund: Chahed gehörte zu Herthas Profi-Kader.

Falko Götz, der von Huub Stevens als Cheftrainer der Profis abgelöst wird, schwärmt von einem weiteren jungen Mann von Herthas Amateuren: Hakan Balta. „Ein genialer Fußballer“, sagt Wolf. Seit einigen Wochen interessiert sich auch der Deutsche Fußball-Bund für Balta und bemüht sich, dessen Einbürgerungsverfahren zu beschleunigen.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben