Zeitung Heute : Hertha will blau machen

Verein möchte Tartanbahn im Olympiastadion in seiner eigenen Farbe – Kritiker sehen rot

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Von Christian van Lessen

„Blau-weiße Hertha“ singen die Fußballfans, wenn sie guter Laune sind, und zumindest blau soll die künftige Tartanbahn im umgebauten Olympiastadion sein. Hertha BSC hatte schon lange den heimlichen Wunsch nach einer blauen Bahn, nach einem unverkennbaren Markenzeichen im berühmten Stadion. Nun, da die Umbauarbeiten in die heiße Phase gehen, wird das Verlangen immer heftiger, und der Verein glaubt hoffnungsfroh den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit hinter sich. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und das Landesdenkmalamt sehen bei einer blauen Bahn allerdings rot. Hier will man den Belag in gewohntem Rot lassen, „und nach dem jetzigen Stand bleibt es dabei“, versicherte Senator Strieders Sprecherin Petra Rohland. Nicht aus „konservatorischen Gründen“, das Blau im Rund sei ein ästhetisches und gestalterisches Problem, hieß es. Der Gesamteindruck sei in Gefahr. Graue Sitze, grüner Rasen, blaue Bahnen – das passe nicht zusammen.

Die Firma Walter-Bau, die das Olympiastadion bis 2004 umbaut, wartet auf eine Senatsentscheidung. Noch herrscht kein Zeitdruck. Hertha BSC ist optimistisch, dass der Farbenkrieg hinter den Kulissen zugunsten des Vereins entschieden wird. Immerhin habe der Regierende Bürgermeister jüngst bei der 110-Jahr-Feier des Vereins „im Rahmen eines Gesprächs“ Hoffnungen gemacht, dass die Bahn blau werden könne, bestätigte Hertha-Sprecher Hans-Georg Felder. Senatssprecher Michael Donnermeyer zeigte sich gestern von derartigen Äußerungen überrascht und verspach, bei seinem Chef noch einmal nachzufragen.

Die Stadtentwicklungsbehörde wollte sich nicht weiter äußern und wies auf Gespräche mit dem Landesdenkmalamt und der Projektgruppe Olympiastadion, auch „P Olli“ genannt. Diese Gruppe kontrolliert die Arbeiten von Walter-Bau. Eine Mitarbeiterin von P Olli begründete die ablehnende Haltung auch damit, dass die rote Bahn Bestandteil der Planung gewesen sei und zum Baudenkmal Olympiastadion gehöre. Sie wirke neutral und spiegele nicht die Farben eines Vereins wider. Im Übrigen werde im Olympiastadion nicht nur Fußball gespielt. Wenn Hertha BSC eine andersfarbige Bahn wolle, könne man sie vorübergehend auch blau abdecken. Hertha BSC will aber keine provisorische Lösung, und als Mitgesellschafter des künftigen Stadionbetreiber-Unternehmens möchte man mehr als ein Wörtchen bei der Gestaltung mitreden. Mit dem Wunsch nach blauen Sitzen war Hertha abgeblitzt. Aus der Baubranche ist zu hören, dass eine blaue Tartanbahn rund 40 000 Euro mehr kostet. Dazu und zu der Frage, wer die möglichen Mehrkosten zu zahlen hätte, wollte sich der Verein am Donnerstag nicht äußern. Auch die Firma Walter-Bau wollte zu dem Farben-Streit keine Stellung nehmen.

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