Zeitung Heute : Herz und Takt

fahndet nach guten Nachrichten in der Medizin. Heute: Ein Schrittmacher für schwache Herzen

Hartmut Wewetzer

Wenn man beim Treppensteigen schnell aus der Puste kommt – vielleicht schon nach ein, zwei Stockwerken –, dann liegt die Ursache dafür oft am Herzen. „Herzinsuffizienz“ lautet der Fachausdruck für eine Pumpschwäche des Hohlmuskels, wie sie in höherem Lebensalter nicht selten ist. Bei den über 65-Jährigen ist Herzinsuffizienz sogar der häufigste Grund für den Klinikaufenthalt in der Inneren Medizin.

Typische Zeichen sind die Luftnot bei körperlicher Anstrengung, Erschöpfung und geschwollene Füße und Beine. Denn das Herz schafft es nicht mehr, ausreichend Blut zu pumpen. So staut sich Körperflüssigkeit vor der rechten Herzkammer und sammelt sich der Schwerkraft entsprechend in den Beinen. Ebenfalls mit Flüssigkeit „gestaut“ sind die Lungen, weil auch die linke Herzkammer mit der Arbeit nicht mehr nachkommt. Die häufigste Ursache für eine Pumpschwäche sind Durchblutungsstörungen oder ein Herzinfarkt, hoher Blutdruck, eine Zuckerkrankheit oder eine Entzündung des Herzmuskels.

Heilen kann man die Pumpschwäche nur dann, wenn die Ursache aus der Welt geschafft werden kann. Meist gelingt das nicht. Aber mit einer ganzen Batterie von Medikamenten kann man heute das Leiden lindern und das Leben verlängern. Die Mittel schwemmen die Flüssigkeit aus dem Körper aus, stärken den Muskel, senken den Blutdruck, bremsen den Herzschlag und entlasten das Herz.

Nun gibt es zudem Anzeichen dafür, dass auch ein elektrischer Schrittmacher Patienten mit geschwächtem Herzen helfen kann. Denn bei vielen ist die elektrische Erregung der linken Herzkammer verzögert, die Mediziner sprechen von einem „Linksschenkelblock“ in der Herzstromkurve (EKG). Die Folge: Rechte und linke Herzkammer pumpen nicht gleichzeitig, sondern arbeiten gegeneinander. „Beide Kammern schubsen die Herzscheidewand hin und her wie einen Hula-Hoop-Reifen“, sagt Erland Erdmann, Herzspezialist an der Kölner Universitätsklinik. So wird das Herz noch weiter geschwächt.

Ein Schrittmacher bringt den Pumpmuskel wieder in Takt. Damit das gelingt, muss ein dünner, Strom führender Draht, Elektrode genannt, in die rechte Herzkammer vorgeschoben werden. Eine zweite Elektrode wird hinter der linken Herzkammer in der großen Herzvene platziert. Über diese Drähte wird gleichzeitig ein kurzer und kleiner elektrischer Impuls zum Herz geleitet, der die Herzarbeit wieder synchronisiert.

„Ich habe erst bezweifelt, dass es funktioniert“, sagt Erdmann. Gemeinsam mit anderen europäischen Herzspezialisten erprobte er die Behandlung bei Patienten mit ausgeprägter Pumpschwäche. Das jetzt in der Online-Ausgabe des Fachblatts „New England Journal of Medicine“ veröffentlichte Ergebnis zeigt aber eindeutig, dass der doppelte Schrittmacher nicht nur die Lebensqualität verbessert und die Gefahr von Komplikationen des Herzleidens senkt, sondern auch das Sterberisiko deutlich senkt. Jetzt ist auch der Skeptiker Erdmann überzeugt.

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