Zeitung Heute : „Herzliche Menschen“

Auch in Berlin gibt es einen Vogtland-Stammtisch

Alva Gehrmann

Lange bevor die Bonner nach Berlin-Mitte kamen, waren die Vogtländer schon da. Zwischen dem Rosenthaler Platz und der Kleine Hamburger Straße hatten sie ihren eigenen Stadtteil: Neu-Vogtland. Errichtet wurde die Siedlung bereits 1751 auf Order von Friedrich II., der brauchte damals dringend die sächsischen Handwerker. In der Freizeit trafen sie sich zum Stammtisch.

Seit Mai 2003 gibt es den Stammtisch wieder. Robert Hochbaum, CDU-Abgeordneter aus dem sächsischen Vogtland, hat ihn neu belebt. Bis zu 40 Gäste kommen an solch einem Abend: aus dem Vogtland, aus Berlin, aber auch Gäste aus Belgien und den Niederlanden waren schon mit dabei. „Jeder ist willkommen“, sagt Hochbaum. Der Politiker redet mit Begeisterung von den Stammtisch-Abenden, bei denen sich sogar Menschen treffen, die feststellen, dass sie aus dem gleichen Dorf kommen.

Robert Hochbaum selbst ist in Pforzheim aufgewachsen. „Ein Makel der falschen Geburt“ nennt der 49-Jährige das. Hochbaum lebt nach dem Motto „ganz oder gar nicht“, und so ist er jetzt ganz Vogtländer. Seit 1991 war er Leiter des Arbeitsamtes in Auerbach. 2002 beschloss er dann in die Politik zu gehen und kam per Direktmandat in den Bundestag. Wäre da nicht der schwäbische Singsang in der Sprache, man würde ihn glatt für einen gebürtigen Vogtländer halten. Für seine neue Heimat engagiert sich Hochbaum nicht nur im Bundestag, sondern auch im Ausland. Er ist Mitglied verschiedener Parlamentariergruppen zur Förderung internationaler Beziehungen. Auf seinen Reisen nach China, Russland, Arabien macht er stets Werbung für das Vogtland.

Doch damit nicht genug. Im Oktober vergangenen Jahres hat der sächsisch-schwäbelnde Abgeordnete den „Vogtländischen Verein zu Berlin e.V.“ gegründet. Ziel ist es, sich mit Gleichgesinnten zu treffen. Aber natürlich auch, die Region bekannter zu machen, um Investoren und Touristen für die Region zu begeistern.

Der Abgeordnete hat festgestellt, dass es auch in der Mentalität eine Verbindung in die Hauptstadt gibt: „Die Vogtländer sind erst mal schwierig im Umgang mit Fremden. Wenn man sie aber besser kennt, sind es sehr herzliche Menschen“, sagt Hochbaum. „So sind die Berliner auch.“

Der nächste Vogtland-Stammtisch findet am Dienstag, 27. 4. 2004, um 19 Uhr 30 im Restaurant „Honigmond“ statt. Borsigstraße 28 / Ecke Tieckstraße , Berlin-Mitte.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben