HESSENS SPD : Kein Land in Sicht

Der Unmut in der hessischen SPD ist groß. „Ich habe null Verständnis für das Handeln von Frau Metzger“, sagt zum Beispiel Lothar Quanz. Er ist Mitglied  im SPD-Landesvorstand und langjähriger Landtagsabgeordneter. Bei dem Gespräch mit Dagmar Metzger war er auch dabei. „Ich finde ihr Verhalten anmaßend und undemokratisch, weil sie mit ihrer Argumentation so tut als seien alle außer ihr anstandslos. Das lasse ich mir nicht gefallen“, schimpft er. Allerdings hält er Dagmar Metzger für eine Einzelkämpferin.

Anders sieht es Thorsten SchäferGümbel, ein Abgeordneter aus Gießen, der dem linken Flügel zugerechnet wird. Für ihn ist das ganze ein Intrigenspiel. „Andrea Ypsilanti ist nicht daran gescheitert, dass sie es nicht geschafft hätte, dieses Bündnis aufzubauen, sondern sie ist am gezielten Gegenspiel gescheitert." Verantwortlich dafür seien aber nicht die Streitigkeiten zwischen den Flügeln in der hessischen SPD.

Vielmehr vermutet er eine Gruppe von Personen – auch aus der Bundes-SPD – hinter Dagmar Metzger. Deren Ziel sei es, den politischen Neuanfang unter Ypsilanti zu verhindern. „Ich bin stocksauer, denn das einzige was diese Leute damit erreicht haben, ist, dass Roland Koch im Amt bleibt und das ist für mich der größte Wortbruch, den diese Leute klar zu verantworten haben.“

In der hessischen SPD verlangen jetzt viele eine schonungslose Analyse, wie es zu dieser Situation kommen konnte. Der Landtagsabgeordnete Marius Weiß beispielsweise, der nicht zum Linksflügel zählt, sagt: „Das ist für die SPD jetzt eine Zerreißprobe. Ein einfaches Weiter-So wird es nicht geben, da muss jetzt alles ohne Sichtschutz auf den Tisch, ich habe da meine Präferenzen, die ich aber intern äußern werde.“

Andrea Ypsilanti muss sich auch dem Vorwurf stellen, warum sie diesen Schritt nicht besser vorbereitet hat und sich nicht auch bei denen versichert hat, die am vergangenen Dienstag nicht bei der Fraktionssitzung der SPD dabei waren, wie zum Beispiel Dagmar Metzger. Mindestens vier weitere Abgeordnete sollen ebenfalls nicht anwesend gewesen sein. Unter ihnen auch Marius Weiß. „Mich hat Frau Ypsilanti auch nicht angerufen“, sagt er. Zwar hätte er wohl für sie gestimmt, aber „mit sehr, sehr großen Bedenken“. Vielerorts heißt es in der Hessen-SPD, die Vorsitzende habe es versäumt, die Kritiker bei so einer grundlegenden Neuausrichtung mitzunehmen.

Für Lothar Quanz sind das Scheingefechte. „Wenn Frau Metzger als frisch gewählte Abgeordnete unbedingt in den Urlaub fahren will, muss sie doch trotzdem ein Interesse daran haben, zu erfahren, wie es weiter geht, das ist aber eine Holschuld von ihr und keine Bringschuld von Frau Ypsilanti.“ Und so sei es bei den anderen Abwesenden auch. An eine Diskussion um Ypsilanti als Parteichefin glaubt Quanz nicht. „Das wird kein Jota so sein.“ Wie es jetzt im hessischen Landtag auf lange Sicht weiter geht, ist noch unklar. Christoph Degen, junger Abgeordneter aus Hanau, sagt: „Am Ende stehen bestimmt Neuwahlen.“  Christian Tretbar

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!