HEUTE : Erste Hoffnungen auf ein Ende der Krise

Chef der Wirtschaftsweisen sieht Tiefpunkt und erwartet zaghafte Belebung wegen der Konjunkturpakete

Cordula Eubel Stefan Kaiser

Berlin - Rund ein Jahr nach Beginn der schwersten Rezession seit Jahrzehnten gibt es in Deutschland erste Hoffnungszeichen für ein Ende der Talfahrt. So blicken vor allem Finanzexperten laut einer Umfrage des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) wieder positiver in die Zukunft. Die Umfrage und andere Indikatoren zeigten, dass es eine begründete Aussicht auf Bodenbildung gebe, sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz, der zugleich Vorsitzender der fünf Wirtschaftsweisen im Auftrag der Bundesregierung ist. „Sogar eine zaghafte Belebung in der zweiten Hälfte des Jahres wird wahrscheinlicher“, sagte Franz. Als Hauptgrund nannte er die staatlichen Konjunkturpakete, die zunehmend ihre Wirkung entfalteten. Heute will die Bundesregierung auf einem Konjunkturgipfel im Kanzleramt mit Wirtschaftsvertretern die Lage und weitere Maßnahmen besprechen. Ein drittes Konjunkturpaket soll es aber nicht geben.

Das ZEW befragt monatlich 300 Finanzexperten zu ihren Einschätzung der Lage sowie ihren Erwartungen an die konjunkturelle Entwicklung der kommenden sechs Monate und bildet daraus Indikatoren. Im April liegt der Indikator für die Erwartungen mit 13,0 Punkten erstmals seit fast zwei Jahren wieder im positiven Bereich. So rechnet ein Drittel der Befragten mit einer Besserung der Lage bis Oktober.

Doch die Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen. Erstens dürften die Erwartungen der Finanzprofis vom jüngsten Aufschwung an den Börsen beeinflusst worden sein. Zweitens schätzen die Experten die aktuelle Lage nach wie vor düster ein – sogar noch etwas schlechter als im März.

Dennoch mehren sich auch die Hoffnungszeichen aus den Unternehmen. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Hans Heinrich Driftmann, sprach von „ersten Lichtblicken für eine mittelfristige Konjunkturerholung“. Zumindest seien die Erwartungen der Unternehmen „nicht mehr ganz so düster wie noch zuletzt“, sagte er der Agentur Reuters. Die Volkswirte einiger Banken sehen sogar schon im laufenden zweiten Quartal wieder ein kleines Wirtschaftswachstum. Behalten sie recht, ginge die längste und schwerste Rezession in der Geschichte der Bundesrepublik nach einem Jahr ohne Wachstum zu Ende. Für das Gesamtjahr dürfte jedoch selbst dann noch ein tiefes Minus herauskommen – zu schlecht war das erste Quartal. Die Bundesregierung dürfte deshalb ihre Prognose für die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts 2009 in der kommenden Woche von minus 2,25 Prozent auf minus vier bis fünf Prozent senken.

Die Wirtschaftsverbände forderten vor dem Konjunkturgipfel, die Betriebe 2009 und 2010 von den Sozialbeiträgen beim Kurzarbeitergeld zu befreien. Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) stellte in Aussicht, die Zahldauer des Kurzarbeitergeldes von 18 auf 24 Monate zu verlängern. Die Wirtschaft verlangt zudem, Teile der 2008 in Kraft getretenen Unternehmenssteuerreform zu entschärfen. „Einige Elemente der Unternehmensbesteuerung schmerzen vielleicht weniger bei Schönwetterkonjunktur, in der Krise überfordern sie die Betriebe“, hieß es beim DIHK.

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