HEUTE : Griechen brauchen dringend Geld

Athens Finanzminister fordert Hilfe bis 19. Mai / Ratingagentur senkt Kreditwürdigkeit auf Ramsch-Niveau

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Athen/Berlin - Griechenlands Schuldenkrise hat sich weiter verschärft: Die griechische Regierung kann nach eigenen Angaben kein Geld mehr auf den internationalen Finanzmärkten aufnehmen. Die Kredithilfen, die die Euro-Gruppe und der Internationalen Währungsfonds (IWF) in Aussicht gestellt haben, müssten daher bis zum 19. Mai bereit stehen, sagte Griechenlands Finanzminister Giorgos Papakonstantinou am Dienstag. Bis dahin muss das Land alte Schulden zurückzahlen. Wenn es keine neuen Kredite mehr bekäme, wäre Griechenland pleite.

Weil der Zugang zu den Märkten für die griechische Regierung „unmöglich“ sei, müsse „die Prozedur bis zu diesem Datum beendet, bestätigt und unterschrieben sein“, sagte der Finanzminister. Es ist das erste Mal, dass Athen erklärt, keine neuen Kredite mehr aufnehmen zu können.

Die Kosten für die Schulden Griechenlands waren am Dienstag weiter drastisch gestiegen. Die Investoren verlangten für zehnjährige griechische Staatsanleihen eine Rendite von 9,622 Prozent. Deutschland muss für seine Bundesanleihen gerade einmal rund drei Prozent zahlen. Für zweijährige Staatsanleihen stieg die Rendite sogar auf 14,96 Prozent. Am Montag waren es noch zwei Prozentpunkte weniger gewesen.

Die Ratingagentur Standard & Poor's hat die Kreditwürdigkeit Griechenlands unterdessen auf Ramsch-Niveau herabgestuft. Das Land wird noch mit BB+/B bewertet. Damit hat die Agentur ihre Einstufung mit einem Schlag um drei Noten verringert. Man habe die Sorge, dass das Mittelmeerland die notwendigen Reformen nicht durchsetzen könne, um seine Schulden abzubauen, erläuterte die Agentur. Dem Land drohe sogar noch eine weitere Herabstufung. Auch die Bonität von Portugal wurde um zwei Noten auf A- herabgestuft. An den Börsen löste die Ankündigung eine Verkaufswelle aus. Der Dax fiel um 2,7 Prozent auf 6159 Zähler. Auch der Euro geriet unter Druck.

Mit Spannung blicken die Investoren jetzt auf die Politik. Nach Informationen der Agentur Reuters wird die Eurogruppe möglicherweise für den 10. Mai ein Sondertreffen zur Freigabe der Kredithilfen für Griechenland einberufen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zeigte sich trotz anhaltender Kritik aus den Reihen der Koalition zuversichtlich, dass die Hilfen rechtzeitig bereit stehen werden. „Die Bundesregierung steht nicht auf der Bremse. Wir drängen auf schnelle Entscheidungen“, sagte Schäuble dem „Handelsblatt“. Wenn die Vorschläge, die der IWF in dieser Woche erarbeite, überzeugten, „können wir am kommenden Montag im Kabinett einen entsprechenden Beschluss herbeiführen“, sagte Schäuble. mit AFP/rtr/HB

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