Zeitung Heute : Hey, bitte mal lächeln: Monarchentreff mit Kamera

Wie Prinzessin Hisako Takamado das strenge japanische Protokoll ignorierte

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Es geht so furchtbar streng zu am japanischen Hofe, das liest man doch immer. Eine Diktatur schmallippiger Protokollmenschen. Mag sein, aber offenbar endet die Diktatur an Japans Grenzen. Sonntag, Stadion Nürnberg, Spiel Japan – Kroatien. Auf der Tribüne, neben dem deutschen Kaiser, dem Franz, Prinzessin Hisako Takamado, Witwe des Prinzen Norihito Takamado; der war Cousin ersten Grades von Kaiser Akihito. Die Prinzessin hat die Fingernägel blau lackiert. Blau, nicht dezent farblos! Vielleicht weil Japan in Blau spielt, adelige Solidarität also. Aber protokollmäßig: unerhört. Bestimmt ist auch klar geregelt, wie eine Prinzessin öffentlich fotografieren muss. Jedenfalls nicht so locker wie Prinzessin Takamado. Nestelt am Verschluss, vergisst, die Schutzkappe abzunehmen, und lächelt dauernd. Aber sie hat sich bei so was noch nie ums Protokoll gekümmert. Bei der WM 1998 filmte sie mit größtem Vergnügen ihren Gatten. Der spielte gerade mit japanischen Verbandsoffiziellen Fußball, er war schließlich Ehrenvorsitzender des Fußballverbands. Die Prinzessin mag mehr den FC Chelsea, Resultat eines England-Studiums.

Nur der deutsche Kaiser, der saß meist vorschriftsmäßig steif da. Aber das hat vermutlich wenig mit Protokoll zu tun. Der ist wohl einfach nur noch müde.

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