Zeitung Heute : Hier kauft der Kiez

Die Rheinstraße ist die Adresse der kleinen Händler. Wie stehen ihre Chancen?

Cay Dobberke

Die Rheinstraße in Tempelhof-Schöneberg steht als Shopping-Standort ein bisschen im Schatten der angrenzenden Schloßstraße. „Wir haben viel kleinteiliges Gewerbe, das sich an den Kiez richtet. Aber es gibt auch Läden mit Kundschaft aus ganz Berlin“, sagt Vorstandsmitglied Ana Kunst-Baur vom Verein „Rheinstraßen-Initiative“.

Zu den über den Kiez hinaus bekannten Geschäften gehören der große Asia-Markt, der Juwelier Lorenz, das Miele-Küchenstudio und die kleine, aber traditionsreiche Besteck- und Silberwarenhandlung „Aug. Nicolai“. Einige der Händler sind in der Initiative aktiv, die auch die Interessen privater Anwohner vertritt. Die Mitglieder setzen sich beispielsweise für eine Neugestaltung des Breslauer Platzes ein. Im Mai wurde dort ein Baum gepflanzt – die „Bürgerlinde“, das Gegenstück zur nahen Kaisereiche. Derzeit läuft eine Kunstaktion: Eine Malerin verziert die Bewag-Stromkästen in der Straße mit fröhlichen Motiven. Seit 2003 veranstaltet der Verein außerdem – meist jährlich – einen „Friedenau-Tag“ mit großem Kulturprogramm.

Das nächste „Rheinstraßen-Fest“ steht am 25. und 26. Juni bevor. „Damit hat der Verein aber nichts zu tun“, sagt Ana Kunst-Baur. Hinter dem Fest steht eine Veranstaltungsfirma.

Beunruhigt sind viele Geschäftsleute wegen des geplanten Schloss-Straßen-Centers am Walther-Schreiber-Platz. „Der Ladenleerstand in der Straße wird zunehmen“, glaubt der Händler Stephan Dziedzinski. In seinem Laden „vom Fass“ verkauft er seit 1998 Öle, Essig, Weine und Spirituosen – wie der Firmenname sagt, vor allem direkt vom Fass. Bisher ist der 37-Jährige zufrieden mit dem Umsatz: „In Friedenau gibt es eine bürgerliche Kundschaft und viele Genießer, die abends gemütlich mit Freunden kochen.“

In der Rheinstraßen-Initiative sind die Meinungen über das Center-Projekt geteilt. Manche Händler seien besorgt über die Konkurrenz, sagt Ana Kunst-Baur, andere versprächen sich „eine Sogwirkung für die ganze Straße“. Erfreulich seien die Umbaupläne für den Walther-Schreiber-Platz: „Hoffentlich wird es endlich ein Platz, der diesen Namen auch verdient.“

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