Zeitung Heute : Hier motiviert der Chef

Der Spandauer Leiterplatten-Produzent Contag wächst seit 27 Jahren – ein Betrieb wie eine Familie

Rainer W. During

Auf jede Krise folgt ein neuer Aufschwung, sagt Andreas Contag. Seine auf die Entwicklung von Leiterplatten-Prototypen spezialisierte Firma in Spandau ist ein stetig expandierender Vorzeigebetrieb. Der Inhaber ist von unerschütterlichem Optimismus geprägt. Und er ist gerade zum Mutmacher der Nation gewählt worden.

Der Chef achtet auf Bewegung. Der 47-Jährige ist Kurzstreckenläufer in der Seniorenklasse. „Damit haben die Kollegen aus der Produktion und dem Vertrieb erst kürzlich beim Tauziehen ihre Kräfte gemessen“, sagt er und zeigt auf ein Seil, das zusammengerollt im Fitnessraum liegt. Nebenan steht die Liege, auf der sich die Mitarbeiter mittwochs von einer Fachkraft massieren lassen können. Das Beachvolleyball-Feld hinter der Fabrikhalle wartet noch auf den Frühling.

Andreas Contag macht die Arbeit auch nach 28 Jahren noch Spaß, und wie er sollen sich auch seine Mitarbeiter fühlen. Mit 66 Mitarbeitern ist man eine große Familie geblieben. Eine, in der der Chef schon mal einen Ausflug für die Belegschaft samt Angehörigen organisiert. Als Familienvater mit vier inzwischen erwachsenen Kindern kennt Contag die Nöte der Eltern. Es gibt es einen Mutter/Vater-Kind-Arbeitsplatz, und bei Betreuungsproblemen können Mitarbeiter ihren Nachwuchs mit in die Firma bringen.

In bescheidenen Verhältnissen in Siemensstadt aufgewachsen, finanzierte Contag sein Studium, indem er tagsüber bei Siemens jobbte und im Winter nachts Schnee fegte. 1981 eröffnete er im Lagerraum der Kneipe „Rohr-Eck“ am Rohrdamm eine Werkstatt und fertigte Leiterplatten für Hobby-Tüftler. Erster Kunde war ein Freund, der eine Lichtorgel für einen Diskotheken-Ausstatter baute. Bald wurde Siemens auf die schnelle Quelle aufmerksam. Immer mehr Freunde mussten helfen; als es eng wurde besorgte Contag dem Nachbarn eine Ersatzwohnung und erweiterte seine Minifabrik im Mietshaus. 1995 brach der Spandauer sein Studium ab und machte sich selbstständig. Am Brunsbütteler Damm mietete er Fabrikationsräume mit der dreifachen Fläche des aktuellen Bedarfs.

In Krisenzeiten motivierte der Jungunternehmer die Belegschaft, vorübergehend auf das Gehalt zu verzichten und alles daran zu setzen, neue Aufträge an Land zu ziehen. Selbst Leute aus der Produktion hängten sich ans Telefon, um Kunden zu werben – mit Erfolg. Nach drei Monaten gab es wieder Lohn, nach einem halben Jahr waren die ausstehenden Gelder samt Dankesprämie gezahlt. Als Teile der Firma nur noch in Containern auf dem Fabrikhof Platz fanden, war es Zeit für die nächste Expansion. Am Päwesiner Weg baute Contag 2007 für neun Millionen Euro seine eigene Fabrik. 45 neue Jobs sind hier entstanden und dieses Jahr werden erstmals Auszubildende eingestellt. Contags Erfolgsrezept ist es, stets einen Schritt weiter zu sein. „Wir machen alles zwei Jahre im voraus“, sagt der Firmenchef. So profitiere man in schlechten Zeiten davon, was man in guten Zeiten begonnen habe. In der Entwicklung von Leiterplatten-Prototypen sind die Spandauer Spitze. Kunden sind die Entwicklungsabteilungen der Industrie. An jedem Tag, an dem Produkte pünktlich die Firma verlassen, gibt es auf dem Kalender an der Wand einen Smiley und für jeden Mitarbeiter eine Prämie von zehn Euro. Die doppelte Summe ist fällig, wenn der Auftrag einen Tag früher fertig wird.

Bei Contag entwickelte Chips finden sich in beweglichen Spielzeug-Teddybären, in Hörgeräten, Autoschlüsseln, Messgeräten für die Reifentemperatur von Formel 1-Rennwagen und der Duschelektronik im privaten Großraumjet eines Scheichs. Als erstes Unternehmen der Branche in Deutschland hat Contag 1998 die abwasserfreie Produktion eingeführt und einen Umweltpreis erhalten. 2002 gab es den Qualitätspreis Berlin-Brandenburg und 2007 die Auszeichnung als Top-Arbeitgeber Berlins. Am neuen Standort plant Contag wieder mit dem „Wachstumsfaktor 3“. In zehn Jahren will er die Belegschaft verdoppeln.

www.contag.de

Entscheidend ist, dass man Spaß am Leben hat und sich im Betrieb nicht nur für alles zuständig fühlt, sondern auch alles selber macht – auch die niedrigen Arbeiten. Unser Betrieb ist 27 Jahre lang nur gewachsen. Verluste hat es nie gegeben. Unsere Kunden überzeugen wir mit Schnelligkeit, Termintreue und höchster Qualität.“

Andreas Contag, Inhaber des Leiterplattenherstellers Contag

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