Zeitung Heute : Hier spielt die Musik

Händlergemeinschaft und Bezirk wollen die „Wilmersdorfer“ noch attraktiver machen. Die neuen Arcaden sehen sie nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung des bestehenden Angebots

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Von Maximilian von Demandowsky Sie organisieren Musik- und Theaterfeste, sind Sprachrohr für die Belange von Händlern und Gewerbetreibenden rund um die Einkaufsmeile und stehen in engem Kontakt mit dem Bezirksamt: Seit der Gründung der Arbeitsgemeinschaft Wilmersdorfer Straße im Jahr 1999 hatten ihre Mitglieder viel zu tun. Kein Wunder, denn die älteste Fußgängerzone Berlins hat sich in den vergangenen Jahren gewaltig verändert. Davon zeugen nicht zuletzt das im Oktober 2004 eröffnete Kant-Center und die im Bau befindlichen Wilmersdorfer Arcaden zwischen Pestalozzi- und Schillerstraße.

Wichtigstes Ziel der AG: Die Attraktivität der Shoppingmeile zu erhöhen und mehr Menschen zum Verweilen einzuladen. Was aber macht die Anziehungskraft der „Wilmersdorfer“ eigentlich aus? Marc Schulte, Wirtschaftsstadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf (SPD) und Thomas Bong, Apotheker und Vorstand der Arbeitsgemeinschaft, sind sich einig: Die Straße biete eine einzigartige Mischung – viele Geschäfte, ein gesundes soziales Umfeld mit hübschen Altbauten und, das betonen beide unisono, einen der schönsten Wochenmärkte Berlins, nämlich den am Karl-August-Platz (immer mittwochs und sonnabends).

„Hier auf der ,Wilmersdorfer‘ finden Sie alles“, sagt Thomas Bong. Für Marc Schulte ist es „die Mischung aus Fußgängerzone, Wochenmarkt und dem guten U- und S-Bahnanschluss“, die die Straße so attraktiv macht. In ganzer Länge reicht die „Wilmersdorfer“ vom Ku’damm bis zur Otto- Suhr-Allee. Laut Marc Schulte hat nicht nur die Fußgängerzone im mittleren Straßenabschnitt etwas zu bieten: „Im Süden gibt es zum Beispiel das große Modehaus Mientus. Im Norden findet man eher kleinere Geschäfte, wie Foto- oder Spielzeugläden“, zählt er auf.

Thomas Bong würde diese räumliche Trennung gerne aufheben. Vor allem die S-Bahn-Unterführung, so seine Beobachtung, separiere den mittleren vom südlichen Bereich. Sein erklärtes Ziel: „Eine durchgehende Verbindung vom Schloss Charlottenburg bis zum Ku’damm.“

Einig sind sich die beiden Kiezbewegten beim Thema Aufenthaltsqualität. Da gebe es noch Defizite. „Es fehlen Straßencafés, besonders im Kernbereich der Einkaufszone“, bedauert Thomas Bong. Er hofft aber, dass sich das mit der Eröffnung des neuen Arcaden-Einkaufszentrums Ende September ändert. Dort sollen rund 100 Geschäfte, Arztpraxen und Büros einziehen. Doch besteht nicht die Gefahr, dass das neue Center die Kunden von den etablierten Läden abzieht? Kopfschütteln auf beiden Seiten. „Konkurrenz belebt das Geschäft“, bringt es Wirtschaftsstadtrat Schulte auf den Punkt.

Der Kontakt zwischen Bezirk und Händlergemeinschaft ist gut. Informationen über bauliche Veränderungen werden abgestimmt und Vorschläge aufgegriffen. So etwa die Planung von Kiezfesten oder die Idee einer einheitlichen Baumbepflanzung. Sind also alle wunschlos glücklich? Nicht ganz. AG-Vorsitzender Thomas Bong würde sich „eine noch engere Zusammenarbeit im gesamten Kiez wünschen und dass der Bezirk alle Beteiligten, auch die Gewerbetreibenden in den Nebenstraßen, an einen Tisch bringt. Zudem macht er sich für die Einrichtung eines Biergartens stark.

Karstadt-Filialleiter Fred Lehmann, der ebenfalls in der Händlergemeinschaft aktiv ist, freut sich, dass die Straße derzeit „ein neues Outfit erhält“. Von den Wilmersdorfer Arcaden erhofft er sich einen „möglichst guten Mix an Geschäften und nicht bloß Marken, die wir in der Straße ohnehin schon haben.“ Dann sei das Center eine gute Ergänzung des bestehenden Angebots. Ein bisschen Wehmut kommt bei Lehmann bei dem Gedanken an sein altes Parkhaus auf, das den Arcaden weichen musste. „Für unsere Kunden würde ich mir vor allem mehr Parkplätze wünschen“, sagt er. Derzeit steht der Hof diesen erst ab 13 Uhr zur Verfügung, wenn der Lieferverkehr vorbei ist.

Für Michael Malessa, Geschäftsführer des Media-Markts im Kant- Center und stellvertretender Vorsitzender der AG Wilmersdorfer Straße, mahlen die Mühlen der Bürokratie trotz der grundsätzlich guten Kooperation manchmal etwas langsam. Für die Zukunft wünscht er sich „eine noch intensivere Zusammenarbeit, etwa bei der Organisation von Straßenfesten wie dem Frühlingsshopping.“

Und welchen Tipp hat Wirtschaftsstadtrat Schulte für Touristen und Berliner, die die „Wilmersdorfer“ besuchen? „Unbedingt das Eis auf dem Wochenmarkt am Karl-August-Platz probieren.“

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