Zeitung Heute : Highlights: Eldorado der Unterhaltungsindustrie

Adrian Schuster

Revolutionäre Neuheiten wird es bei der diesjährigen Auflage der Funkausstellung in Berlin wohl wenige geben. Zu erwarten sind eher Weiterentwicklungen bereits existierender Technologien. Doch die versprechen einige interessante Anwendungsmöglichkeiten für die Endkunden. Ob Fotografie oder Fernsehen, Radio oder Video - Digitalisierung heißt dabei das alles beherrschende Thema. Viele Neuheiten entstammen dem Schnittbereich von Computer und Unterhaltungselektronik, Internet und Fernsehen.

Zum Thema Online Spezial:
IFA 2001 - Technik, Tipps und Trends Der neue Standard MHP (Multimedia Home Plattform) sorgt für neue Inhalte und Programm-Innovationen, die das Internet auf den Fernsehbildschirm bringen (siehe Artikel unten). Aber auch profane Haus- und Haushaltstechnik wird nach dem Willen der Hersteller in Zukunft untereinander kommunizieren: "Home Networking" heißt das Schlagwort für intelligente Wohnungen und Eigenheime. Unterm Funkturm werden neue Lösungen auf der Basis digitaler Heimnetze, die das Wohnen sicherer, komfortabler und energiesparender machen, gezeigt.

Auch das Auto soll von der multimedialen Kommunikation im Internet nicht ausgeschlossen bleiben. Am Ifa-Horizont erscheinen die Zukunftsszenarien des kommenden Breitbandmobilfunks UMTS. Neue Übertragungsverfahren gewinnen traditionellen Handynetzen schon heute höhere Geschwindigkeiten ab. So stellt die Berliner Firma Valcast einen "CAR-A-WAN" genannten Internet-Adapter vor, der im GSM-Handynetz nahezu ISDN-Geschwindigkeit erreichen soll. Damit würde sich der Adapter für komfortables Internet-Surfen oder zur E-Mail-Kommunikation aus dem fahrenden Auto ohne weiteres eignen. Bereits im letzten Jahr stellte das Unternehmen einen Prototypen vor, der drei Monate lang täglich 14 Stunden Bilder und Töne live aus einem Großraum-Taxi in Berlin übertrug. Jetzt ist die Hardware in Serie verfügbar, deren Haupteinsatzgebiete der Hersteller zunächst im professionellen Bereich sieht.

Schier unermesslich sind die Datenmengen, die sich dank digitaler Speicherung auch mit kleinen, handlichen Medien begnügen. Mit lang erwarteten Aufzeichnungsgeräten setzt auf der Ifa zum Beispiel die DVD (Digital Versatile Disc) ihren Siegeszug weiter fort und erobert immer mehr Anwendungsterrain von CDs und Videobändern. So ermöglicht der von Panasonic präsentierte DVD-Videorekorder unter anderem das gleichzeitige Aufnehmen und Abspielen von Filmen. Was liegt da näher, als auch fürs Urlaubsvideo auf Videokassetten zu verzichten und direkt auf eine kleine Silberscheibe aufzunehmen? Das wird möglich mit einem Camcorder von Hitachi, der jedoch mit 5000 Mark nicht billig ist.

Wer sich von seinen Videotapes nicht trennen mag und dennoch die Vorteile der DVD genießen möchte, für den bietet Samsung ein Kombigerät, das VHS-Kassetten ebenso wie CDs und DVDs abspielen kann. Damit sollen sich auch nicht kopiergeschützte DVDs für Freunde oder Bekannte mit herkömmlichem Videoequipment auf VHS überspielen lassen.

Wer angenommen hatte, dass 82 Zentimeter eine Grenze für Diagonalen von Fernsehbildschirmröhren sei wird eines Besseren belehrt. Loewe zeigt Europas größten Röhrenfernseher. Der Riese verfügt über eine Bildschirmdiagonale von 102 Zentimetern und liefert ein sichtbares Bild von 96 Zentimetern im Breitformat 16 zu 9.

Ausgestattet ist das rund 10 000 Mark teure Heimkino mit multimediafähiger Elektronik, die zusätzlich zum Empfang digitaler Programme wahlweise auch Internetzugang bieten soll. Und auch für passionierte Klang- und Soundfanatiker ist die Ifa in diesem Jahr ein Eldorado: So haben Redakteure von "Audio" und "stereoplay" die edelsten HiFi-Modelle kombiniert und bringen damit Mehrkanal- und Filmton in nicht gekannter Qualität zu Gehör. Die Anlage dürfte allerdings nicht mehr als ein Werbegag sein: Sie kostet rund vier Millionen Mark und wiegt über zwei Tonnen.

Wesentlich weniger hingegen wiegt herkömmliche CD-Qualität: Lediglich 43 Gramm bringt der kleinste Audioplayer von Panasonic auf die Waage, auf dessen eigens entwickelte Speicherkarte insgesamt etwa zwei Stunden Musik im MP3- oder AAC-Format vom PC geladen werden können. Mit seinen Abmessungen von fünf mal fünf Zentimetern lässt er sich bequem am Handgelenk tragen. Ein Armband wird mitgeliefert. Ein anderes Mini-Produkt ist der Walkman NW-E8P von Sony. Mit dem PC lassen sich bis zu zwei Stunden Musik auf den Kopfhörer laden, der ohne Abspielgerät auskommt.

Auch mit dem Nachfolger von MP3 wartet die IFA auf: MP3Pro soll mit deutlich weniger Speicher auskommen als sein Vorgänger, und dies nicht nur ohne jedwede Qualitätseinbuße, sondern sogar mit noch besserer Klangqualität. Fanden auf einer herkömmlichen CD rund 15 Musiktitel Platz, waren es mit MP3 schon rund 150. MP3Pro soll diese Zahl jetzt auf 300 verdoppeln.

Abspielen lassen sich die neu komprimierten Klangdateien zum Beispiel mit dem MP3Pro-Player von Thomson Multimedia, dessen zehn Gigabyte-Festplatte rund 5000 Titel aufnehmen kann. Herstellerangaben zufolge ist MP3Pro mit MP3 kompatibel, so dass auch traditionelle MP3-Player das neue Format erkennen - dann allerdings ohne die bessere Qualität.

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