Zeitung Heute : Hilfe für Hypochonder

DR. WEWETZER

Hartmut Wewetzer

DR. WEWETZER

Diese Kopfschmerzen sind schon merkwürdig. Da steckt bestimmt etwas ganz Schlimmes dahinter. Ist es vielleicht ein Tumor?

Hand aufs Herz: In fast jedem von uns verbirgt sich ein kleiner Hypochonder. Das Piksen über der Herzgegend, das Blubbern im Bauch, die merkwürdige Stelle auf der Haut – all das gibt zu den schlimmsten Befürchtungen Anlass.

Als noch der legendäre Hans Mohl im Fernsehen das „Gesundheitsmagazin Praxis“ moderierte, füllten sich die Wartezimmer der Ärzte am nächsten Tag mit Menschen, die genau die Symptome hatten, die am Abend zuvor im „Gesundheitsmagazin“ abgehandelt worden waren. „Morbus Mohl“ nannten die Ärzte das – und ernannten den Moderator zum Doktor ehrenhalber.

Ein bisschen eingebildetes Kranksein ist vielleicht sogar nützlich, der Tribut für Wachsamkeit und Fürsorge unserem Körper gegenüber. Aber ganz anders steht es um die „echten“ Hypochonder. Das sind Menschen, die zwar körperlich gesund sind, aber von Angst vor einer schweren Krankheit gequält werden – etwa Krebs oder Alzheimer. So sehr, dass sie sich nicht mehr beruhigen können. Ihnen droht das Versinken in der eigenen Krankheitswelt. Auch Einbildungen können eben Leiden hervorrufen.

Ärzten gelten die Hypochonder nicht selten als Nervensägen, Menschen, denen nichts fehlt und die deshalb auch keine Therapie brauchen. Aber das ist ein Irrtum, sagt die Psychologin Gaby Bleichhardt, Uni Mainz. Hypochonder können Hilfe brauchen, auch wenn ihnen nicht leicht zu helfen ist. Allerdings keine medizinische, sondern psychotherapeutische. Eine Studie im Fachblatt „Jama“ zeigt, dass Verhaltenstherapie die Probleme „eingebildeter Kranker“ lindern kann.

Der Harvard-Psychiater Arthur Barsky behandelte 102 Hypochonder mit sechs Sitzungen Verhaltenstherapie. So lernten die Patienten, ihre Ängste zu relativieren. Sie lernten, mit ihnen umzugehen und körperliche Beschwerden auszublenden. Es gelang bei 57 Prozent, die Störung zu mildern, die irrigen Auffassungen über Krankheit und falsche Gewohnheiten zu korrigieren und die Angst zu lindern. Das zeigt: Auch wenn es schwer ist, den Glauben an das Kranksein zu durchbrechen – es kann durchaus gelingen. Am Ende weicht die Angst der Gelassenheit.

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