Zeitung Heute : Hilfe für zu Hause

Modellprojekt beim Kampf gegen Resistenzen

Christiane Löll

Um den Kampf gegen Antibiotikaresistenzen aufzunehmen, hat die Bundesregierung bereits im November 2008 die „Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie (DART)“ verabschiedet. Zu diesem Konzept gehört auch die Gesundheitsregion Ostseeküste. Sie soll als Modellprojekt dienen, um Strategien gegen multiresistente Erreger zu erproben. Dazu haben sich 40 Partner aus Forschung, Krankenhäusern und Gesundheitswirtschaft zusammen geschlossen, das Konzept heißt abgekürzt HIC@RE. „Nicht alles, was in der Literatur als sinnvoll beschrieben wird, um Resistenzen zu vermeiden, lässt sich so einfach umsetzen im Gesundheitssystem, wir wollen nach neuen Wegen suchen“, sagt der Wissenschaftliche Koordinator des Projekts, Nils-Olaf Hübner vom Institut für Hygiene und Umweltmedizin an der Universität Greifswald.

Beispiel MRSA (resistente Staphylokokken): Es sei eine Sache, die MRSA-Patienten in den Krankenhäusern sachgemäß zu behandeln, etwa mit Nasensalben und speziellen Waschlotionen. „Aber sobald sie aus dem Krankenhaus heraus sind, haben wir bislang keine Handhabe mehr.“ Dabei sei nachgewiesen, dass die MRSA-Behandlung auch Zuhause fortgeführt werden müsse. „Also müssen den Patienten Mittel an die Hand gegeben werden, mit denen sie die Behandlung zu Hause zu Ende führen können, sonst war alles umsonst.“ Im Modellprojekt sollen Erfahrungen gesammelt werden, wer dafür Sorge tragen könne.

Eine große Herausforderung sehen Experten darin, den unsachgemäßen Antibiotika-Verbrauch einzudämmen. Galt beispielsweise der Wirkstoff Ciprofloxacin vor einigen Jahren noch als Reserveantibiotikum in Kliniken und war eine scharfe Waffe gegen Problem-Bakterien, so droht diese Waffe nun stumpf zu werden. „Das Breitbandantibiotikum wird inzwischen oft auch ambulant eingesetzt, weil es sehr viel billiger geworden ist in den vergangenen Jahren“, sagt Hübner. Außerdem sei es bequem: Die Chance, den auslösenden Erreger für eine Infektion zu treffen, sei damit sehr groß. Dadurch bildeten sich aber vermehrt Resistenzen bei den Bakterien gegen den Wirkstoff, weil sie sich damit auseinander setzen können. „Es wäre sinnvoller, gezielter gegen einzelne Keime vorzugehen, und bei den Patienten Tests zu machen, ob die Keime, die sie tragen, bereits resistent sind. Das ist aber zunächst mal sehr viel teurer. Es muss geklärt werden, wer die Kosten übernimmt.“ Hübner und Kollegen wollen ambulante Ärzte verstärkt aufklären und ihnen leichter Zugang zur Datenlage über Resistenzen in der Region verschaffen. Das Programm soll vier Jahre lang laufen. Christiane Löll

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