Zeitung Heute : Hilfe nach dem Sturm

Nach der Wirbelsturmkatastrophe in Birma rufen Hilfsorganisationen in Deutschland zu Spenden auf. Wie sicher können Spender sein, dass ihre Gelder bei den Menschen dort überhaupt ankommen?

Miriam Arndts Dennis Grabowsky

Angesichts des Ausmaßes der Katastrophe und des steigenden internationalen Drucks hoffen die Hilfsorganisationen auf ein Entgegenkommen der seit mehr als 40 Jahren regierenden Militärs in Birma. Und es scheint tatsächlich Bewegung zu geben. Wie eine Sprecherin der „Aktion Deutschland hilft“ mitteilte, habe die Botschaft von Birma in Berlin eine vereinfachte Visavergabe zugesichert. „Die Spendengelder fließen direkt in die Projekte vor Ort“, versichert sie. Die Länderbüros im Katastrophengebiet sorgten für die medizinische Grundversorgung und verteilten Kerzen, Planen sowie Wasser.

Das Regime in Birma hatte sich am Dienstag mit einem ungewöhnlichen Hilferuf an die internationale Gemeinschaft gewandt: „Wir brauchen Hilfe auch aus dem Ausland, wir freuen uns darüber“, sagte Informationsminister Kyaw Hsan. Allerdings sind viele Verkehrswege blockiert. Die Organisation der Nothilfe sei „ein logistischer Albtraum“, da es überall an Booten und Lastwagen fehle, heißt es bei der britischen Hilfsorganisation „Save the Children“. Die Welthungerhilfe beklagt, man könne sich in Birma nicht bewegen, wie man wolle. Die Situation entspreche einem „Nordkorea light“, weshalb staatliche Behörden dort kein Geld erhielten und die Partnerorganisationen strengen Kontrollen unterlägen.

Das UN-Kinderhilfswerk Unicef ist seit 1950 in Birma aktiv und stützt sich vor Ort auf ein breites Netzwerk aus einheimischen Kräften. Unicef-Sprecher Rudi Tarneden verweist darauf, dass inzwischen sogar die Militärregierung von 22 000 Toten und über 40 000 Vermissten spricht. Deshalb sei die dringend benötigte Aufstockung der internationalen Helfer zumindest denkbar. Tarneden beklagt allerdings, dass die Bevölkerung offensichtlich nicht rechtzeitig gewarnt wurde und weitgehend unvorbereitet war. Das Heraufziehen des schweren Tropensturms sei seit Tagen absehbar gewesen.

Die Caritas steht in Kontakt mit Partnerverbänden aus Australien und Bangladesch, deren Erfahrung bei Katastrophen dieser Art dringend benötigt werde, so eine Sprecherin. Im direkten Kontakt mit den Betroffenen sei ein „lokales Gesicht“ hilfreich. Auch sie forderte ein schnelles Ende der restriktiven birmanischen Politik im Sinne der Betroffenen. Miriam Arndts/Dennis Grabowsky

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