Zeitung Heute : Hilton Der Urgroßvater hinter… Paris

Mit neun Jahren bekam sie ihre erste Kreditkarte. Was würde Conrad Nicholson Hilton dazu sagen?

Esther Kogelboom

Conrad Nicholson Hilton war ein konstruktiver Träumer. „Ich möchte meine Träume nie verleugnen, mich aber auch nie an den Traum verlieren. Meine Träume haben nichts mit müßigen Tagträumen zu tun, es sind auch keine Wunschträume, es ist vielmehr eine Art schöpferischen Sinnens“, schrieb Hilton in seiner 1957 in den USA erschienenen Autobiographie „Die Welt bei mir zu Gast“, Seite 23. Wie weit man es mit „schöpferischem Sinnen“ bringen kann, steht auf Seite 257: „An diesem Tag, dem 12. Oktober 1949, wurde ich der Mann, der das Waldorf kaufte.“

Connie Hilton kam Weihnachten 1887 in San Antonio, New Mexico, als Sohn eines norwegischen Einwanderers und einer deutschstämmigen, sehr gläubigen Schönheit zur Welt. Sein Vater Gus war ein schlauer Geschäftsmann: Er hatte zunächst einen Krämerladen, vermietete dann Pferdeställe und Zimmer an Durchreisende, eröffnete mit dem Siegeszug des Automobils eine der ersten Autowerkstätten – und starb Anfang 1919 bei einem Unfall mit seinem geliebten Ford. Den Sohn erreichte die Nachricht in Paris, wo er als Offizier das Ende des Ersten Weltkriegs erlebte. Mit dem Tod des Vaters, der Connie Hilton stets belächelt hatte, wurde der spätere Hotelmagnat erwachsen – im Alter von 32 Jahren.

Er ging zurück in die Staaten, wo seine fünf Geschwister lebten, ordnete die Geschäfte seines Vaters und kaufte im texanischen Cisco sein erstes Hotel, bevor er eine Aktiengesellschaft gründete und sich auf den An- und Verkauf von Hotels spezialisierte. Connie Hilton hatte Glück, die Geschäfte liefen gut. „Ich entwickelte mich zu einem richtigen Hotelknacker“, schrieb er in seiner von Selbstironie und Gottesfurcht durchtränkten Autobiographie. Trotzdem schlitterte Paris Hiltons Urgroßvater am Bankrott vorbei. Nur mit der Hilfe großzügiger Geldgeber und dem ihm angeborenen Mut zum Risiko überlebte er die Weltwirtschaftskrise, die auf den Schwarzen Freitag 1929 folgte.

Connie Hilton kaufte und kaufte und kaufte, als sei die Welt ein riesiges Monopoly-Spielfeld: das Chicagoer „Stevens“ für drei Millionen Dollar in bar, das „Mayflower“ in Washington, das „Palmer House“ in Los Angeles. Mitte der 50er Jahre erstand er den gesamten Statler-Hotelkonzern für 60 Millionen Dollar. Danach kam Europa dran. Hilton wollte, dass er eines Tages um die Welt reisen und immer in einer seiner Herbergen übernachten kann. Am 29. November 1958 eröffnete er mit dem damaligen Regierenden Bürgermeister Willy Brandt das Berlin-Hilton. Die DDR-Presse titelte: „Hotelkönig auf Plünderungszug“. Heute heißt das Berlin-Hilton Intercontinental.

Mit seinen Hotels hat sich Connie Hilton einen großen Traum erfüllt: Für ihn war es plötzlich ein Leichtes, mit den schönsten Frauen der Welt in den schönsten Ballsälen der Welt über die Tanzflächen zu schweben. Hilton war ein begeisterter Tänzer, besonders für neuartige Modetänze konnte er sich begeistern. Er beherrschte den Foxtrott, aber auch den Grizzly-Bär, den Bunny-Hug, den Känguruh-Dip, den Chicken-Scratch und den Camel-Walk. Das Aufsehen, das ein in seinem eigenen Haus Känguruh-Dip tanzender Hotelmagnat bei den Klatschreportern hervorrief, kann man heute noch nachvollziehen.

Hilton hatte allerdings eine noch größere Anziehungskraft auf Frauen als auf Klatschreporter. Zum ersten Mal verliebte er sich im Alter von 14 Jahren. Mary Barron wurde später die erste Ehefrau des Zwei-Meter-Mannes. Hilton verließ Mary zu Gunsten einer Schönheitskönigin. „Sie war blond, witzig, lebhaft, gerade geschieden und hieß Zsa Zsa Gabor. Sie saß bei einem Dinner neben mir und lancierte plötzlich einen dieser faszinierenden, echt weiblichen Tricks. Sie ließ ihre Augen spielen und verkündete: ’Ich glaube, Sie werde ich heiraten.’“ Kurze Zeit später trafen sich Zsa Zsa und Connie Hilton vor dem Altar wieder, doch der Frischvermählte zeigte sich schnell genervt vom Schönheitswahn seiner Frau. An einem der wenigen freien Tage beobachtete der Geschäftsmann Zsa Zsa beim Shopping und vor dem Schminkspiegel. „Ich fiel aus allen Wolken, als ich entdeckte, dass das Schönsein eine Frau den ganzen Tag beschäftigen kann.“ Die Scheidung zog sich über zwei Jahre hin, seine Ex-Frau erhielt eine Abfindung in der Höhe des Kaufpreises des Sir-Francis Drake-Hotels in San Francisco. 1976 heiratete Hilton dann zum dritten und letzten Mal: Mary Frances.

Connies Sohn Nicky Hilton – er entstammt der Ehe mit Mary Barron – war der allererste Mann von Elizabeth Taylor und wiederum Vater von Rick Hilton, der mit dem früheren Kinderstar Kathy Richards in der Pariser Hilton-Dependance Paris Hilton zeugte. Connies Reichtum hat sich bis in die vierte Generation vererbt: Einem amerikanischen Magazin zufolge beträgt Paris’ Erbe etwa 28 Millionen Dollar. Ihre erste Kreditkarte soll sie im Alter von neun Jahren ausgehändigt bekommen haben, aufgewachsen ist sie in einer Suite im von ihrem Ur-Opa so geschätzten Waldorf Astoria in New York. Doch was hätte Connie Hilton zu dem extravaganten Lebensstil seiner Ur-Enkelin gesagt, die ihr Leben lang in allen 400 Hilton-Hotels auf der ganzen Welt gratis absteigen kann und in Fernsehserien wie „Simple Life“ publikumswirksam am Leben in Arkansas verzweifelt?

„Das erfolgreiche Leben ist ein harmonisches Leben“, schrieb Conrad Hilton, „in dem Denken, Arbeit, Ruhe und Erholung einander folgen. Die wahren Lebenskünstler werden weder bis zum Tode arbeiten, noch sich bis zum Ekel Vergnügungen hingeben.“

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