Zeitung Heute : Himmel in Sicht

Das TheatreFragile macht Open-Air-Kunst für alle.

Schaufenster-Stück. Das TheatreFragile mit „HOME 2012“. Foto: Andreas Greiner Napp
Schaufenster-Stück. Das TheatreFragile mit „HOME 2012“. Foto: Andreas Greiner Napp

Wenn es geht, vermeidet Luzie Ackers den Begriff „Straßentheater“. Stimmt schon, das klingt nach Gaukelei und bunter Lustigkeit. Und damit hat das TheatreFragile wenig zu tun. Lieber spricht Ackers von „Theater im öffentlichen Raum“. Die gebürtige Darmstädterin, die eine Ausbildung als Mime in Berlin absolviert hat, ist künstlerische Leiterin, Maskenbauerin, Darstellerin und Managerin dieser Berliner Gruppe. Zusammen mit Marianne Cornil. Die Mitbegründerin des TheatreFragile stammt aus Paris, hat an der Sorbonne studiert und in Berlin einige Zeit das Akkordeon- und Maskenspiel beim famosen Ensemble Familie Flöz erprobt.

Gemeinsam hat das Duo eine internationale Compagnie aufgebaut, mit Stammspielern aus den USA, Spanien, Frankreich, Österreich und Deutschland, getourt sind sie bereits bis nach Sri Lanka. Wobei es natürlich von Vorteil ist, dass ihre Open-Air- Kunst auf der ganzen Welt verständlich ist. Weil sie zumeist keine Worte braucht.

Ein Segelschiff fährt auf, die Darsteller hinter ihren unbewegten, aber ausdrucksstarken Masken werfen die Angel nach den Bewohnern des Meeres aus. Schließlich geht ein gewaltiger weißer Fisch aus Pappmaché ins Netz. So geschehen in der Inszenierung „Himmel in Sicht“, die – typisch TheatreFragile – in Form einer poetischen Parabel von einem gesellschaftlich relevanten Thema erzählte: dem Altern. Basierend auf Interviews mit hochbetagten Menschen. Das Stück kam 2010 auf dem European Street Festival in Detmold zur Premiere, wo die Compagnie von Ackers und Cornil mittlerweile eine ständige Residenz hat. Nicht minder eindrücklich: die Produktion „Wir treffen uns im Paradies“. Die thematisierte das Schicksal von Einwanderern, entwarf eine Utopie von Gastfreundschaft und kulturellem Einvernehmen. Und bezog das Publikum mit Suppenausschank und Musik ein. Es ist diese Direktheit, die das Spiel auf Straßen und Plätzen auszeichnet. Neben dem Umstand, dass damit Menschen erreicht werden, die sich sonst keinen Theaterbesuch leisten können. paw

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