Zeitung Heute : Himmlische Braut

MATILDA JORDANOVA-DUDA

Die Ehen werden im Himmel geschlossen. Nein, wie altmodisch! Neuerdings geschieht dies im Internet, und jede Religion hat dort ihre eigene Adresse. Christen suchen Christinnen (oder umgekehrt) zwecks Gründung einer "heilen Familie", Muslime suchen Musliminnen (manchmal auch umgekehrt). Und wer suchet, der findet. Zumindest beim Christlichen Partnerschaftsdienst ( www. cpdienst.de ) für Deutschland, Österreich und die Schweiz sollen die zahlreichen Hochzeitsfotos in Weiß die hohe Trefferquote belegen.Der muslimische Heiratsmarkt im Internet ( www.muslim-markt.d e) ist dagegen neu, und nur ein paar Leute haben sich bisher gewagt, darin zu inserieren. Also die "anschmiegsamen, vollbusigen Frauen" sollte man sich bei den religiösen Kontaktadressen erstmal abschminken. Auch "die gutsituierten, starken Männer zum Anlehnen", von denen es in gewöhnlichen Anzeigen nur so wimmelt. Es wird der Bund fürs Leben gesucht, und nicht nur für dessen "schönste Stunden". Hier zählen die inneren Werte.Ein 26jähriger Student zitiert aus dem Koran und wünscht sich eine gläubige, gehorsame, reuige, fromme, fastende Frau, eine muslimische Frau, die jedem jederzeit hilft. Eine junge Marokkanerin stellt an ihren künftigen Ehemann nur eine Forderung: Er soll sich bemühen, Gott zu gehorchen und den Propheten als Idol zu betrachten. Wer es auf Reichtum und Schönheit abgesehen hat, statt auf Festigkeit im Glauben, wird Reichtum und Schönheit verlieren, warnen die Betreiber von "muslim-markt" die heiratswilligen Glaubensgeschwister. Wer aber nach Festigkeit des Glaubens wähle, gewinne Schönheit und Reichtum dazu.Aber aufgepaßt, Brüder, die verheirateten unter Euch sowie diese mit unsicherem Aufenthaltsstatus werden gebeten, von einem Inserat abzusehen. Die Site-Betreiber geben diesen kleinen Hinweis auf allzu weltliche Probleme. Obwohl eine islamische Ehe weder an Monogamie noch an irgendwelchen Aufenthaltsstatus gebunden sei.Der Christliche Partnerschaftsdienst räumt andere Befürchtungen aus: Ist meine Partnerschaftssuche im Internet nicht als Ungehorsam gegen Gottes Willen zu bewerten? Nein, meinen die Betreiber. Zwar finde man seinen Partner fürs Leben am besten in der Kirchengemeinde. Aber wenn das nicht klappt, sei es allemal besser, die verantwortungsvolle Aufgabe dem CPD anzuvertrauen, als es der Freizeit und dem Zufall zu überlassen.Ist ja klar, jemanden zum "gemeinsamen Beten und Singen" muß man gezielt suchen. Ebenfalls für die Dreiecksbeziehung: Du, Ich und Jesus. Blindes Vertrauen in Gott verspüren die religiösen Partnersuchenden allerdings nicht: Zuschriften mit Foto erbeten.

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