Zeitung Heute : Hinab in die Königsgruft Pläne für Grabstätte am Schloss Charlottenburg

Sybille Nitsche

Seit Jahr und Tag ist die Gruft der Hohenzollern im Mausoleum des Charlottenburger Schlossgartens für die Öffentlichkeit verschlossen. Doch kürzlich durften TU- Studenten des Masterstudiums Denkmalpflege in die Grabstätte hinabsteigen. Sie erarbeiteten Vorschläge, um das ehrwürdige Gebäude zu restaurieren.

1810 errichtet, nahm das Grabmahl die Gebeine von Preußens Königin Luise auf, die im selben Jahr im Alter von 34 Jahren an Typhus gestorben war. 1840 ließ sich auch der Bauherr, Friedrich Wilhelm III., neben seine Gattin betten. Später wurden weitere Hohenzollern hier begraben, so der erste deutsche Kaiser Wilhelm I. und seine Frau Augusta.

Verwaltet wird das Gebäude von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. Die Studenten dokumentierten erstmals die fünf verschiedenen Bauphasen und die damit verbundenen Veränderungen. Sie vermaßen das Mausoleum, zeichneten Details und kartierten die Schäden.

Feuchtigkeit dringt durch das Gemäuer, mangelnde Pflege tat ein Übriges. So stehen beispielsweise die Fundamente im Grundwasser und sind unzureichend abgedichtet. Die Eisenfenster der Gruft wurden mehrfach nur überstrichen, so dass sie nicht mehr schließen. Risse in den Sandsteinfassaden hingegen deuten eher auf Konstruktionsfehler hin. Der Schimmel ist auf bauphysikalische Mängel zurückzuführen.

Eine vollständige Abdichtung des Bauwerkes wäre zu teuer. Deshalb schlagen die Studenten vor, die Räume zu beheizen, um ganzjährig rund fünf Grad Celsius in der Gruft zu halten. Ein Windfang soll starke Temperaturschwankungen im Inneren verhindern. Sowohl für die Gruft mit ihren Särgen als auch für die Gedenkhalle mit den Grabmalen des Bildhauers Christian Daniel Rauch – klassizistischen Meisterwerken –, ist es entscheidend, das Raumklima stabil zu halten. Die Studenten empfehlen weiterhin, die Decke und die Wände zu reinigen und sie mit Kalkschlämmen zu überziehen, um die Atmung der Oberflächen zu begünstigen.

Ein Geheimnis bewahrt das Bauwerk jedoch nach wie vor: Wer es entworfen hat. Auch die Studenten, die sich intensiv mit der Baugeschichte befassten, konnten es nicht lüften. Wahrscheinlich gehen die Entwürfe auf den Baumeister Heinrich Gentz zurück. Einige Experten wiederum sprechen den Bau Karl Friedrich Schinkel zu.

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