Zeitung Heute : Hindernisse stehen in Hoppegarten nur noch auf der Bahn

Der Tagesspiegel

Franz Beckenbauer gehört in Deutschland zweifelsfrei zu den schillerndsten Persönlichkeiten. Nahezu alles, was der ehemalige Fußballstar anpackt, wird zum Erfolg. Sein Wort hat in der Öffentlichkeit Gewicht. Dennoch hat auch er eine Schwäche – eine für Pferde. Diese Leidenschaft teilt Beckenbauer mit dem Publizisten Peter Boenisch, und weil der ehemalige Chefredakteur der „Bild“-Zeitung zudem Wert auf gewichtige Worte legt, hat der Präsident des Union-Klubs Franz Beckenbauer und seinen Berater Robert Schwan überzeugt, dem Hoppegartener Rennklub beizutreten. „Sie wollen damit ihre Sympathie für den Pferdesport und ihre Unterstützung für Deutschlands größte Galopprennbahn bekunden“, sagt Boenisch.

Dem 74-Jährigen ist durch den prominenten Zugang für den 238 Mitglieder starken Klub gelungen, den heutigen ersten Saisonrenntag auf der Galopprennbahn Hoppegarten (Beginn 14 Uhr) mit positiven Nachrichten anzukündigen. Noch vor einem Jahr mussten sein Vorgänger Karl-Heinz Oehler und dessen Crew sogar um den Saisonstart bangen. Überwiegend Negativschlagzeilen – von fehlenden Sponsoren über entzogene Lizenzen bis zu persönlichen Querelen – prägten das Bild, das die Rennbahn Hoppegarten in der ersten Hälfte der grünen Saison von sich gab. Dann übernahm aber Mitte des Jahres der ehemalige Regierungssprecher die Führung des Rennklubs und es änderte sich zunächst – nichts. Jedenfalls nichts Substanzielles. Und dennoch gab es unter den Trainern, Klubmitgliedern, Pferdebesitzern (vor allem den auswärtigen) einen Stimmungsumschwung. Auch wenn nach wie vor das Geld für große Rennen fehlte, zog es wieder mehr Zuschauer, mehr gute Pferde und zuletzt sogar wieder mehr Geldgeber nach Hoppegarten. Auch der Bestand der Pferde bei den elf ansässigen Trainern ist mit rund 180 Galoppern nach mehrjährigem Rückgang erstmals wieder konstant geblieben.

Vor wenigen Tagen präsentierte Boenisch dann den ersten messbaren Erfolg seiner Amtszeit. Er zog mit der Deutschen Post einen Sponsor für die gesamte Saison an Land. Etwas mehr als eine Million Mark soll das Transportunternehmen für die insgesamt 15 Renntage bezahlt haben. Den wirtschaftlichen Niedergang der Vorjahre will Boenisch nach eigenem Bekunden mit dieser Partnerschaft endlich stoppen. Sicherheit gibt ihm aber auch der neue Vertrag über die Grundstücksrechte für die Bahn. Der Union-Klub hat sich beim Geländeverkauf der Träuhänderin BVVG an einen Investor ein auf 99 Jahre angelegtes Erbbaurecht ausgehandelt.

Richtige Hindernisse haben in Hoppegarten somit zurzeit nur die Pferde zu überwinden. Erstmals seit 1995 werden auf der Bahn wieder zwei Jagdrennen ausgetragen. Spektakulär anzuschauen, sind diese Hindernis-Rennen aber auch äußerst umstritten. Nicht selten kommen Pferd und Reiter zu Fall und tragen dabei schwere Verletzungen davon. Trotzdem baut der Union-Klub gerade auf diese tradionelle Rennart, die vor allem in England sehr populär ist. Auch wenn es noch ein weiter Weg bis zu einem ähnlichen Rennen wie dem Grand National in Aintree ist, so sucht der Union-Klub gerade diese Art von Vergleich im Ausland, liegt doch der Pferderennsport in Deutschland am Boden.

Diesem Trend will sich Hoppegarten in dieser Saison widersetzen. Mit außergewöhnlichen Renntagen und großen Namen. Selbst wenn Beckenbauer heute nicht persönlich auf der Rennbahn erscheint. Ingo Wolff

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