Zeitung Heute : Hinter, an und um Milla Jovovich

Der Tagesspiegel

Schwarze Stilettos an durchsichtig bestrumpften Beinen, den allerschönsten, natürlich. Sehen kann man sie aber nur einmal, als ihre Besitzerin die Treppe herunterläuft und auf die Bühne hüpft. Danach sind Stilettos, Beine und auch das hellgraue Chiffonröckchen umringt von -zig Fotografen- und Journalisten, die alle ein Lächeln oder einige Worte erhaschen wollen: von Milla Jovovich, der Prinzessin des Abends mit dem Krönchen im dunkelblonden Haar.

Milla ist die Einzige, die in Bernd Eichingers neuem Film „Resident Evil“ heil herauskommt aus dem Gemetzel mit den Zombies. Im Seidenkleidchen ringt sie ohne Mühe alle nieder und rettet die Welt. Dafür lässt sich die 26-Jährige beim Premierenabend in Berlin ausgiebig feiern. Sie ist in bester Partylaune, jauchzt und fällt von einem Hals um den nächsten und erzählt, wie schön es ist in Berlin.

Dem Horrorstreifen haben im Cinemaxx am Potsdamer Platz Hunderte johlend applaudiert. Wenn auch viele während der Vorstellung lachen mussten, obwohl es die Dramaturgie des Bösen da gar nicht vorsah, einfach weil diese Zombies geradewegs aus Frankensteins Mottenkiste zu kommen scheinen, so bilderbuchmäßig schlurfen sie mit ihren Hackebeilchen umher.

Dass Milla so aufgedreht ist, überrascht. Im Film wirkt sie fast starr, wenn sie mit verwunderten Augen auf das gruselige Geschehen ringsherum schaut – um dann urplötzlich zuzuschlagen. Früher habe sie mit ihrem Bruder fünf Stunden täglich vor dem Videospiel zugebracht, das die Vorlage für den Film abgegeben hat. So wie der englische Regisseur Paul Anderson, der sogar drei komplette Monate seines Lebens an „Resident Evil“ verloren haben will, und dann meinte, „dass daraus jemand mal einen Film machen sollte“.

Doch der jungenhafte Anderson mit seinem wunderbar offenen Lachen ist auf der Party leider immer ganz weit weg. Obwohl es nur drei Meter sind. Dazwischen Berge von Männern, die nur eine Funktion haben: abzuschirmen. Anderson hat jedenfalls, so viel ist zu sehen, seine Hände immer irgendwie hinter, an oder um Milla herum. clk

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