Zeitung Heute : HINTER DEN KULISSEN

Der Tagesspiegel

Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) war in den vergangenen Wochen nicht immer wohlgelitten unter seinen Senatskollegen: Sie ächzten unter seinen drastischen Sparvorgaben – und freuten sich schon diebisch darauf, ihrem Kollegen eins auszuwischen. Denn: Auch der Einzelplan des Finanzsenators stand am vergangenen Wochenende auf der Tagesordnung der Sparklausur. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit läutete diese Runde humorvoll ein mit den Worten „Meine Damen und Herren, jetzt kommt die Runde der Revanche-Fouls.“ Das ließen sich die Senatoren nicht zwei Mal sagen und machten sich mit „Engagement und Akribie“ daran, den Einzelplan des Finanzsenators Punkt für Punkt durchzugehen, wie Vize-Senatssprecher Günter Kolodziej mitteilte. Viel Kritik soll es an den Aufstellungen zwar nicht gegeben haben, doch trug diese Runde am Sonntagabend noch einmal zur Motivation bei: Ein fast 24-stündiger Verhandlungsmarathon zehrt auch bei den erfahrensten Politikern an den Kräften.

Mens sana in corpore sano, dachte sich SPD-Fraktionschef Michael Müller, der ebenfalls an der Sparklausur teilnahm. Müller mag Kekse. Aber Kekse morgens, mittags und abends – das war dem SPD-Politiker irgendwann zu viel. Und so bat er seinen Fahrer, ihm doch von einem McDonald’s eine Kleinigkeit zu besorgen: nämlich die größte Tüte Chicken McNuggets, bestehend aus 20 Hühnerteilen mit drei Saucen, und Pommes durften auch nicht fehlen. Ein glücklicher Michael Müller machte sich ans Essen und musste sich einige Kommentare anhören, von wegen „so etwas im Senatsgästehaus. Das gab es ja noch nie“. Müller überhörte das, ließ es sich schmecken und soll vor lauter Hunger keinen einzigen Hühnerschenkel abgegeben haben. Übrigens: Schon zu Zeiten der Großen Koalition hielt amerikanisches Fastfood Einzug ins Senatsgästehaus.

Sparklausur die dritte oder „Ein Sarrazin kommt selten allein“. Während auch PDS-Fraktionschef Harald Wolf das vergangene Wochenende in Sachen Sparen im Grunewald verbrachte, war Genosse Stefan Liebich auf dem PDS-Bundesparteitag in Rostock. Nachdem die Genossen ihr Wahlprogramm verabschiedet hatten, machte der Landeschef noch einen kleinen Abstecher nach Warnemünde und genoss in einem Café einen Eisbecher. Die Rechnung wurde ihm von einem Herrn Sarrazin präsentiert. Wie hoch das Trinkgeld für den Kellner ausgefallen war, lässt sich nicht mehr ermitteln.

Ein wenig angeknackst zeigt sich zurzeit die Berliner CDU. Erst erwischte es den Pressesprecher der CDU-Fraktion. Frank Hufnagel: ausgerutscht und rechte Hand geprellt. Dann Landesgeschäftsführer Matthias Wambach: Finger an der rechten Hand geprellt. Der Händedruck zwischen beiden fiel am Donnerstag im Abgeordnetenhaus aus.

Die FDP zeigt Kondition. Den letzten Samstag und Sonntag verbrachten die Liberalen am Motzener See, wo sie sich in einem Hotel zu ihrer Fraktionsklausur einquartiert hatten. Diese Wochenenden sollen angeblich auch gut für das Zusammengehörigkeitsgefühl sein. Fraktionschef Martin Lindner allerdings gönnte sich am Rande der Sitzung einen Baileys – und musste sich daraufhin die Frage gefallen lassen, ob er etwa ein Mädchen wäre. Sabine Beikler

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