Zeitung Heute : HINTER DEN KULISSEN

Der Tagesspiegel

Unverhofft kommt oft. Schicksal spielte die Grünen-Abgeordnete Alice Ströver. Dienstagabend parkte sie ihr Auto hinter dem Kastanienwäldchen, um ins Maxim-Gorki-Theater zu gehen. Ein Mann, der hinter ihr parkte, machte sie auf einen Gegenstand haarscharf neben ihrem Wagen aufmerksam. Und dieser Gegenstand entpuppte sich bei näherem Hinsehen im Dunkeln als die Handtasche ihrer CDU-Parlamentskollegin Monika Grütters. In der Annahme , Frau Grütters könne nicht weit weg sein, fahndete sie zunächst im Theater, dann in der Staatsoper nach ihr. Vergeblich. Und die Polizei wusste auch nur den merkwürdigen Rat: „Wenn Sie die Dame kennen, dann bringen Sie ihr doch die Tasche.“ Alice Ströver telefonierte nun mit kriminalistischem Spürsinn ihr Handy leer. Dann fuhr sie nach Hause und setzte ihre Recherchen fort. Sie überwand sich, untersuchte den Inhalt der Tasche näher, klapperte entdeckte Telefonnummern ab und wurde schließlich nach Mitternacht fündig. Inzwischen hatte Monika Grütters allerhand mitgemacht. Mittags war sie Opfer von Taschendieben geworden. Wie sich herausstellte, hatten die Diebe aber nur das Geld geklaut und die Tasche mit Papieren und Schlüsseln im Dunkeln entsorgt. Frau Grütters hatte schon die Schlösser zu ihrem Dienstbüro austauschen lassen. Am anderen Morgen erschien sie bei Kollegin Ströver und bedankte sich mit Blumen.

Christoph Flügge, Staatssekretär bei Justizsenatorin Karin Schubert, ist ein vielseitiger Mann. Er führt nicht nur die Aufsicht über die Justizvollzugsanstalten, sondern geigt gelegentlich auch hinter Gittern. Christoph Flügge spielt Violine bei den „Otto-Sinfonikern“, und mit diesem Orchester trat er am Palmsonntag bereits zum dritten Mal in Tegel auf. Diesmal war es ein Konzert zu Ehren von Pater Vincenz, der sich demnächst als Gefängnisseelsorger nach 30 Jahren verabschiedet. Flügge kam in doppelter Funktion. Als Staatssekretär hielt er Pater Vincenz eine Dankansprache, als Hobby-Geiger erfreute er mit Musik. 1200 Häftlinge sollen ganz besonders von der Ouvertüre zu Mozarts „Zauberflöte“ angetan gewesen sein.

Vor einem Monat gab die frühere Berliner und Hamburger Justizsenatorin Lore Maria Peschel-Gutzeit (SPD) ihren Einstand als Rechtsanwältin in einer renommierten Berliner Anwaltskanzlei. Dieser Tage bekamen die damaligen Gäste freundliche Dankschreiben, so auch die frühere Wirtschaftssenatorin Juliane Freifrau von Friesen. Schade um die netten Aufmerksamkeiten. „Leider kann Frau Dr. Peschel-Gutzeit sich für die zahlreichen liebevoll ausgesuchten und verpackten Geschenke nicht im Einzelnen bedanken, denn sie sind alle, noch bevor sie ausgepackt werden konnten, zusammen mit dem Pkw von Frau Dr. Peschel-Gutzeit in der ’Hauptstadt des Verbrechens’ vor dem dortigen Oberlandesgericht am hellichten Tage gestohlen worden“, schrieb die Anwaltskanzlei. Gemeint ist Hamburg.

Irgendwie geht es auch ohne Politik. Schon letzten Dienstag geriet die Senatssitzung zur reinen Feriensitzung, die keine halbe Stunde dauerte. Man war auch dort nicht beschlussfähig, denn der Regierende Bürgermeister war mit seinen SPD-Senatoren Karin Schubert und Klaus Böger allein. Die anderen sechs waren schlicht im Urlaub. Einige wie Finanzsenator Thilo Sarrazin mussten nur kurz zur Parlamentssitzung zurückkehren. Und nun herrscht wirklich konsequente politische Feiertagsruhe. Es gibt überhaupt nur einen Senator, der in Berlin ist: Klaus Böger hält über die Feiertage die Stellung. Und wo ist Klaus Wowereit? „Er weiß es noch nicht“, sagt sein Sprachrohr Michael Donnermeyer routiniert. Brigitte Grunert

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