Zeitung Heute : HINTER DEN KULISSEN

Der Tagesspiegel

Schlank und drahtig, wie sie ist, liebt die Gesundheits- und Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner sportliche Ferien. Für die Osterferien hat sie sich eine schwierigere Skitour in der Schweiz ausgesucht. Vertrauten Mitarbeitern erzählte Frau Knake-Werner, der Ehemann stecke für alle Fälle sein Lawinensuchgerät ein. Aber die fanden, die Senatorin sei als Amtsperson noch wichtiger als ihr parteipolitisch bei der PDS ranghoch tätiger Mann. Also kaufte sie sich auf dringenden Rat ihrer Pressesprecherin Roswitha Steinbrenner auch ein Lawinensuchgerät. Wenn man das anstellt, piept es, so dass man im Fall der Verschüttung gefunden wird. Von daher ist also nichts zu besorgen.

Inzwischen hat die Kollegin Justizsenatorin und Bürgermeisterin Karin Schubert (SPD) die Operation am rechten Fuß, den sie sich am Ostersonntag beim Waldspaziergang in Neubrandenburg gebrochen hatte, ganz gut überstanden und freut sich im Krankenhaus über die vielen Genesungswünsche, die ihr via Justizverwaltung aus Berlin übermittelt werden. Nur der Ort der Klinik in Mecklenburg-Vorpommern wird amtlich diskret verschwiegen, Fotografen unerwünscht. Aber nächste Woche will sich die Senatorin schon wieder Akten ans Krankenbett kommen lassen. Dann haben die Senatsfahrer zu tun, denn Frau Schubert wird nicht vor Ende April wieder in Berlin auftauchen können. Die Blumen haben Zeit, bis sie nach Hause entlassen wird, finden ihre praktisch denkenden Freunde von der SPD. So lange will sich nicht einmal die Opposition gedulden. FDP-Fraktionschef Martin Lindner will ganz schnell Blumen sprechen lassen, „damit mir meine Lieblingsgegnerin bald wieder standhaft entgegentreten kann.“

Andere haben über Ostern mit Berserkerkraft geschuftet. Der Grünen-Abgeordnete Michael Cramer musste dringend die zweite erweiterte und aktualisierte Auflage seines Büchleins über den „Berliner Mauerradweg“ fertigstellen. Dafür hat der passionierte Radler Cramer auch wieder die 160 Kilometer entlang der Mauer abgefahren und die Karten korrigiert, Straßenveränderungen, neue Mahnmale, neue Restaurants eingezeichnet. Vor einem Jahr hatte er über Ostern mit genau der gleichen Arbeit für die erste Auflage zu tun. „Diesmal hat es beim herrlichen Osterwetter aber mehr Spaß gemacht, damals war es so nasskalt“, weiß Cramer.

Dagegen hat sich sein Fraktionssprecher Matthias Tang im Schweiße seines Angesichts als Nestbauer betätigt. Und das hatte nur nebenbei mit dem fröhlichen Ostereierverstecken für den dreijährigen Sohn Nelson („ganz recht, Nelson wie Mandela“) zu tun. Vater Tang hat die Wohnung auf den Kopf gestellt und Platz sparend umgeräumt. Warum? Weil Tangs jetzt wieder Nachwuchs erwarten.

Mit dem Osterfrieden ist es nun vorbei. So langsam kommen die Politiker kampflustig aus den Ferien zurück, auch Klaus Wowereit aus Mallorca. Letzte Woche konnten es sich die SPD-Stallwachen noch leisten, drei Tage Geburtstagskuchen zu essen. Fraktionsassistentin Anne Klingbiel meinte es als Geburtstagskind gut. Dafür bekam sie auch wunderschöne Blumen. Die allerdings waren der Anlass für ein Schlüsselerlebnis. Als die Sekretärin Monika Blüm die von ihrer Kollegin Dagmar Lerch bestellten Blumen für Kollegin Klingbiel im Laden abholte, meinte die Verkäuferin treuherzig: „Ach ja, hier sind sie, die bestellen Blumen für die SED.“ Von SED-Blumen stand auch etwas auf dem Zettel am Strauß. Frau Blüm war direkt schockiert und hielt der Verkäuferin einen Vortrag über die Unterschiede zwischen SPD, SED und PDS. Doch was will man machen, die kennt eben nicht jeder. Brigitte Grunert

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