Zeitung Heute : Hinter den Türen der Macht - ein Dokudrama inszeniert die Wiedervereinigung neu

Stefanie Hornig

Honeckers dunkelgrauer Citroën unter den Flaggen der DDR und der Sowjetunion: An diesem Frühlingstag im Jahr 2000 erinnert die Szenerie im Berliner Schlosspark Niederschönhausen wieder stark an die Zeiten vor der Wende. Wie am 7. Oktober 1989, als Gorbatschow und Honecker in dem Schloss zu Gesprächen zusammentrafen, treten auch heute ältere Herren in grauen Uniformen vor das Portal, klopfen sich mit großer Geste gegenseitig auf die Schulter. Doch dann schreit jemand "Danke!", und um sie herum bricht ein Filmteam in emsige Geschäftigkeit aus.

Regisseur Hans-Christoph Blumenberg hat historische Szenen wie diese aus den Jahren 1989/90 für seinen neuen Film "Deutschlandspiel" noch einmal an den Originalschauplätzen rekonstruiert. Schauspieler wie Lambert Hamel, Udo Samel und Nicole Heesters verkörpern die Hauptakteure der politischen Wende. Am 2. und 3. Oktober 2000 strahlt das ZDF das Doku-Drama aus: Die Geschichte der Wiedervereinigung - in Originalaufnahmen, nachgestellten Szenen und in Interviews mit Zeitzeugen.

Die redaktionelle Leitung des Projekts liegt bei Guido Knopp. Unter dessen Federführung entstanden schon mehrere Dokumentationen mit spielerischen Versatzstücken, zuletzt "Hitlers Kinder". Blumenberg will mit "Deutschlandspiel" aber einen Schritt weiter gehen. Die Schauspiel-Elemente sollen in dieser Produktion mehr Gewicht haben; durch sie soll der zwei mal 90minütige Film eine zusätzliche Ebene gewinnen. "Die Geschichte des Volkes ist in Rückblicken inzwischen zur Genüge erzählt worden. Wir wollen die Geschichte der Macher zeigen. Das, was sich zur Zeit des Umbruchs hinter den geschlossenen Türen der Politik abgespielt hat", erklärt Blumenberg.

Wichtige Details und Hintergründe stammen aus den Interviews mit rund 50 Zeitzeugen; darunter Michail Gorbatschow, George Bush, Helmut Kohl. "Wir können in "Deutschlandspiel" zeigen, dass damals vor allem international sehr viel mehr Widerstand gegen den Einigungsprozess herrschte als allgemein angenommen wird", kündigt Produzent Ulrich Lenze an.

Lenze bringt aus seinem vorangegangenen Film "Todesspiel" (Regie: Heinrich Breloer), für den er die Geschichte des "deutschen Herbstes" 1977 als Dokudrama verfilmt hat, das Know-how für die Verknüpfung von Dokumentation und Schauspiel mit: "Wir machen keinen Schulfunk. Wir zeigen die Geschehnisse von damals als lebendiges Drama." Die Authentizität sieht Lenze nicht gefährdet. Mit seinen Recherche-Ergebnissen und den Beschreibungen der Zeitzeugen sieht er sich im Vorteil: "Wir können im Film darstellen, wofür anderen einfach die Aufnahmen fehlen." Doch nicht nur die authentischen Bilder fehlen anderen Filmemachern. Auch die finanziellen Mittel dürften in dieser Höhe nicht für jeden aufzutreiben sein. Das Budget umfasst insgesamt sechs Millionen Mark. Unterstützung gibt es von der Filmförderung Hamburg und der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen.

Besonderes Augenmerk legt der Zweiteiler "Deutschlandspiel" auf die Arbeit damaliger Journalisten. Eine tragende Rolle spielen im Film die Mitarbeiter der DDR-Jugendsendung "elf 99". Diese hatten vor allem ab Frühjahr 1989 mit kritischer Berichterstattung für Aufmerksamkeit gesorgt. "In der Wahrnehmung der jungen Fernsehmacher spiegeln sich die Ereignisse der Zeit", sagt Blumenberg. Im Wechselspiel hätten diese wiederum beeinflusst, wie die Bürger aktuelle Vorgänge bewerten und darauf reagieren. "Insofern ist die Geschichte der Wiedervereinigung auch eine Geschichte der Medien." Und die werden am 3. Oktober wieder voll sein von Rückblicken auf die deutsche Geschichte.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!