Zeitung Heute : Hintergrund: Hirntäuschung

Trotz Emanzipation und Fortschritt - die Evolution lässt sich nicht ins Handwerk pfuschen. Und so ist und bleibt die biologische Funktion der Frau das Kinderkriegen. Der weibliche Körper ist ganz auf Fortpflanzung getrimmt: In einem immer wiederkehrenden Zyklus bereitet er sich auf eine Befruchtung vor.

Unermüdlich, Monat für Monat, reift in den Eierstöcken eine Eizelle heran. Der Eisprung ist dann der Moment, in dem die Eizelle für eine mögliche Besamung freigegeben wird. Sie wandert in den Eileiter und wartet dort auf ein Spermium. Gleichzeitig wird in der Gebärmutter eine Schleimhaut aufgebaut, in die sich das befruchtete Ei einnisten kann. Kommt es zu keiner Befruchtung, so werden Gebärmutterschleim und Eizelle abgebaut und mit Blut durchmischt ausgestoßen. Die Monatsblutung tritt ein, und eines ist gewiss: Nicht schwanger. Doch egal ob eine Frau Kinder will oder nicht - das Gehirn schaltet sofort wieder auf "Fortpflanzung".

Das funktioniert, weil die verschiedenen weiblichen Hormone untereinander "Rücksprache" halten. In der Hirnanhangdrüse werden Hormone ausgeschüttet, die den Reifungsprozess der Eizelle in den Eierstöcken in Gang bringen. Die Eierstöcke wiederum antworten auf deren Wirkung mit der eigenen Produktion von Hormonen (Östrogen und Gestagen). Diese werden so lange abgegeben wie der Reifeprozess anhält: Von der Reifung der Eizelle, über die Schwangerschaft hinaus, bis hin zur Stillzeit. So weiß das Gehirn, dass es keinen neuen Zyklus anregen muss, der Prozess ist ja in Gang.

Durch die Einnahme der Pille wird das Gehirn ausgetrickst: Ihre Wirkstoffe täuschen dem Körper eine Schwangerschaft vor, und so gibt es für die Hormone der Hirnanhangdrüse keinen Grund, aktiv zu werden. Denn mit der Pille schluckt die Frau jeden Tag künstliche Eierstock-Hormone. Das Gehirn glaubt, dass der Reifeprozess läuft. Folglich setzt es auch keine Hormone frei, die die Reifung einer Eizelle anregen. Der Eisprung und die Chance einer Befruchtung bleibt aus. Auch Gebärmutterschleim wird kaum aufgebaut.

Wenn die Anwenderin der Pille dann nach 21 Tagen die Einnahme unterbricht, tritt lediglich eine Abbruchblutung auf. Da zuvor auch keine Eizelle gereift und nur wenig Gebärmutterschleim produziert worden ist, hat diese Art der "Tage" nichts mehr mit der natürlichen Regelblutung zu tun.

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