Zeitung Heute : Hip-Hop für die Bildung

Von Blitzen, Flügen über Eisberge und wie man Jonglieren lernen kann: Die TU Berlin präsentiert eine bunte Wissenschaftsschau

Sybille Nitsche

Während der Langen Nacht der Wissenschaften am 14. Juni werden an der TU Berlin auch in diesem Jahr wieder die Tore zahlreicher Institute, Sammlungen, Werkstätten und Labore geöffnet. Zwischen 17 und 1 Uhr in der Früh winkt ein spannendes Programm mit zahlreichen Veranstaltungen und Präsentationen aus den verschiedenen Forschungsgebieten der Universität. Denn die Liste der Objekte wissenschaftlicher Neugierde ist lang.

Wenn es dem Erkenntnisgewinn dient, schauen TU-Forscher dem Vogel auch schon mal unters Federkleid. Oder erzeugen in den Laboren küstlich Blitze, um zu erforschen, wie sie entstehen. Mehr als zwei Millionen dieser Leuchterscheinungen waren laut Blitz-Informationsdienst der Firma Siemens im Jahr 2006 in Deutschland zu sehen.

Das Phänomen des Blitzes wird erforscht, seit Benjamin Franklin 1752 nachwies, dass Blitze natürliche Funkenentladungen zwischen Wolken beziehungsweise zwischen Wolken und Erde sind. Wie man sich und sein Haus vor Blitzen schützen kann (1752 hatte Franklin den Blitzableiter erfunden) und wie sicher die Stromversorgung trotz der vielen Blitzeinschläge ist – diese Fragen beantworten TU-Wissenschaftler im Haus der Funken auf dem TU-Campus in Charlottenburg bei der diesjährigen Langen Nacht der Wissenschaften.

Um Fragen der Sicherheit ganz anderer Art geht es am 14. Juni im Haus der Kraftfahrzeugtechnik an der Gustav-Meyer-Allee in Wedding. Was passiert zum Beispiel bei einer bestimmten Geschwindigkeit mit einem angeschnallten und einem nicht angeschnallten Autoinsassen, wenn das Fahrzeug frontal gegen ein starres Hindernis prallt?

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Institut für Land- und Seeverkehr haben eine Simulation vorbereitet, anhand derer die ablaufenden Prozesse genau beobachtet werden können. Außerdem kann man sich darüber informieren, mit welchen Hightechgeräten in der Erforschung der Kraftfahrzeugsicherheit gearbeitet wird: mit hochsensiblen Dummys, Sensoren und Highspeedkameras.

Highspeedfilme versetzen die Besucher in der Langen Nacht in einen Geschwindigkeitsrausch. Auch können die neuesten Trends in der Motorradsicherheit begutachtet werden. Wie wichtig dieses Thema ist, verdeutlicht ein Blick in die Statistik: Die Zahl der Verkehrstoten sinkt stetig, nur die Zahl der getöteten Motorradfahrer im Straßenverkehr bleibt konstant. 15 Prozent aller Verkehrstoten sind Motorradfahrer.

Aber auch die Sicherheit des Kindes liegt den TU-Forschern am Herzen. Bis zum Sonnenuntergang stehen sie Rede und Antwort. Wer mit eigenem Auto und Kind den TU-Infostand besucht, erhält praktische Anleitungen, wie Kinder im Fahrzeug am besten gesichert werden können.

Anregungen für raffinierte Strukturen holen sich TU-Wissenschaftler aus der Natur. Forscher des Instituts für Luft- und Raumfahrt haben sich die Flügel der Vögel genau angeschaut. So wird in der Langen Nacht eine Tragflügelstruktur präsentiert, die einstellbare elastische Verformungen ermöglicht und somit der Flugsteuerung von Vögeln ähnelt. Denn Vögel brauchen kein Ruder, sie steuern durch das Verdrehen ihrer Flügel.

Derartige Verformungen sind bei den üblichen Tragflügelstrukturen von Flugzeugen nicht möglich. Diese sind starr. Fasziniert von der Natur als intelligenter Ingenieur sind vor allem auch die Bioniker der TU Berlin. Das Prinzip des Wassertransports bei Pflanzen haben sie auf eine technische Pumpe übertragen; Insekten standen ihnen Modell für neuartige Flugobjekte. Auch hier war der Vogelflügel Vorbild – etwa beim Bau neuer Ventilatoren. Zu sehen und zu bestaunen ist das in den Versuchshallen und Werkstätten der TU Berlin in der Ackerstraße 71-76 in Wedding.

Im Audimax steigt während der Langen Nacht eine große Wissenschaftsshow, in der Kabarettist Vince Ebert durch die Wunder der Wissenschaft wandert. Felix Wichmann verrät, warum man mehr mit dem Gehirn sieht als mit den Augen, und das Musiker-Trio „Rapucation“ rappt Lerninhalte gegen den Bildungsnotstand an deutschen Schulen.

Außerdem wird erklärt, dass Sudoku aus mathematischer Sicht weniger mit Zahlen zu tun hat, als vielmehr ein Färbungsproblem ist. Wer dann Lust auf Sudoku hat, kann vor dem Haus der Ideen stündlich ein neues Rätsel lösen. Ein Höhepunkt der Wissenschaftsshow wird die BBC-Dokumentation „Planet Erde!“ im 3D-Format sein. Forscher der TU Berlin haben ein Verfahren entwickelt, mit dem man Filme automatisch in 3D konvertieren kann. Lassen Sie sich dieses Erlebnis nicht entgehen und fliegen Sie über riesige Eisberge, tiefe Schluchten und weite Wälder!

Das Kinderprogramm der TU Berlin zur Langen Nacht der Wissenschaften ist längst zu einer schönen und beliebten Tradition geworden. Auch in diesem Jahr gibt es zahlreiche Projekte, die sich speziell an die Jüngsten richten: Das Science-Lab, die Experimentierwerkstatt für Kinder, steht offen.

Zauberer Jan verwandelt Bälle in Gespenster und formt kleine Tiere aus Luftballons. Polizisten erklären, wie man mit Fingerabdrücken Diebe überführt. Unter professioneller Anleitung können Kinder zudem den Artisten in sich entdecken, jonglieren, balancieren und Pirouetten drehen. An ausgewiesenen Punkten sind wieder knifflige Aufgaben zu lösen. Für jede richtige Lösung gibt es einen Stempel im Juniorstudienpass, und am Ende winkt das Juniordiplom.

Infos unter: www.lndw.tu-berlin.de

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