HIP-HOPKendrick Lamar : Die Leiden des jungen K.

Wenn Sie aufgrund der nun folgenden Empfehlung in Erwägung ziehen, die 35 Euro für das Konzert von Kendrick Lamar hinzublättern, sollten Sie wissen, worauf Sie sich einlassen. Seit den Anfangstagen des Punk ist in keinem Genre der Popmusik die Wahrscheinlichkeit für miserable Auftritte so hoch wie im Hip-Hop. Wobei es keine Rolle spielt, ob der Protagonist ein Superstar oder ein blutiger Anfänger ist. Was da alles schiefgehen kann! Vielleicht ist der Künstler durch den Jetlag indisponiert, vielleicht auf schlechten Drogen oder einfach mies drauf. Nicht selten bringt die Technik in den sonst meist für Rockkonzerte gebuchten Läden das Bass- und-Reime-Gewitter wuchtig genug rüber. Und läuft es erst mal nicht gut, ist die Stimmung im starken hormonellen Schwankungen ausgesetzten Jungpublikum schnell auf Krawall gebürstet. Da kann man fast von Glück reden, dass der Spaß nach einer Dreiviertelstunde sowieso oft vorbei ist.

Und da soll ich nun hingehen, werden Sie verwundert fragen. Aber unbedingt. Denn es besteht die winzige Chance, etwas Historisches zu erleben. Kendrick Lamar ist nämlich nicht nur ein exzellenter Rapper und Geschichtenerzähler, sondern quasi der junge Goethe des Hip-Hop: einer, der auf dem herausragenden Album „good kid, m.A.A.d. city” sein Heranwachsen in der berüchtigten Gangster-Rap-Kapitale Compton so virtuos in formvollendete Reime gießt, dass es sowohl als persönliche Lebensbeichte wie als ins Allgemeingültige erhobene Parabel über die Natur des Menschen funktioniert. Und der dazu die besten Beats des letzten Hip- Hop-Jahrgangs gefunden hat. Wenn der keinen tollen Auftritt hinlegt, wer dann? Alle Angaben wie immer ohne Gewähr.Jörg Wunder

Columbiahalle, Fr 1.2., 20 Uhr, 35 €

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