HIP-HOPNas : Nach der verlorenen Zeit

„Life’s a bitch and then you die“ – kaum zu glauben, dass Hip-Hop auf diese archetypische Hookline bis 1994 warten musste. Mitsamt der Antwortzeile „that’s why we get high“ wurde sie zum geflügelten Wort. Anfang der Neunziger hatten sich die Kräfteverhältnisse zwischen den einander wenig freundschaftlich verbundenen Szenen von Ost- und Westküste zuungunsten der Rap-Mutterstadt New York verschoben. Dicke-Hosen-Rapper aus Compton waren tonangebend, als ein 20-Jähriger aus Queens die natürliche Ordnung wiederherstellte: Nasir „Nas“ Jones versetzte mit seinem Debütalbum Fans und Kritiker in Begeisterung. „Illmatic“ wurde sofort als Klassiker erkannt: Die so seltene wie glückliche Zusammenballung von Talent, Stil und Intelligenz erschloss Hip-Hop nicht nur inhaltlich neue Dimensionen, sondern wurde auch befeuert von den Beats der besten Ostküsten-Produzenten jener Ära: DJ Premier, Pete Rock, Large Professor und Q-Tip konstruierten die hypnotischen Samplingkathedralen eines Meisterwerks, das auch fast 20 Jahre nach Erscheinen noch fantastisch klingt.

Später lief die Karriere des Senkrechtstarters eher unrund. Oft stand sich Nas selbst mit übergroßem Ego (Plattencover mit Selbstporträts im Pharaonenlook zeugen davon) und einer ausgeprägten Krawallbereitschaft (siehe seine langjährige Privatfehde mit Jay-Z) im Weg. So drohte die Laufbahn eines der größten Talente, die Hip-Hop je hervorgebracht hat, in der Mittelmäßigkeit zu versinken. Doch seit kontinuierlich sinkende Verkäufe die Superstarallüren obsolet machen, zeigt die Formkurve endlich wieder nach oben: Nach ein paar schwächeren Platten hat Nas mit „Life is good“ ein Knalleralbum abgeliefert.Jörg Wunder

Astra Kulturhaus, Mi 27.3., 20 Uhr, 35 €

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