HIPHOPNicki Minaj : Ein Rat unter Freundinnen

„Ich habe mich bewusst dazu entschieden, den Sex-Aspekt im Hintergrund zu halten. Ich möchte, dass die Leute – besonders junge Mädchen – wissen, dass im Leben nichts auf Sex-Appeal basiert.“ Wenn man diese Interviewpassage aus dem Jahr 2010 mit den Promofotos für Nicki Minajs aktuelles Album „Pink Friday: Roman Reloaded“ überblendet (siehe oben und Titel), ergibt sich das, was Zeitungsleute „Bild-Text-Schere“ nennen. Nun ist durchaus anzunehmen, dass die Selbstinszenierung des 29-jährigen Shooting Stars als Baywatch-Barbie mit Bodypainting um drei Ecken gedacht und feministisch oder ironisch kontextualisiert ist, schließlich hat Minaj schon auf ihrem Debütalbum „Pink Friday“ mit Alias-Identitäten und Doppelbödigkeiten gearbeitet. Ob sie aber durch die Zurschaustellung ihres makellosen Körpers den an junge Mädchen gerichteten Appell, dem gesellschaftlichen Sex-Imperativ mit Gelassenheit zu begegnen, nicht konterkariert, steht auf einem anderen Blatt.

Nicki Minaj gehört zu jenen jüngeren Frauen im Popbusiness, die genannt werden, wenn es darum geht, eine potenzielle Nachfolgerin für Madonna zu finden. Da passte es gut, dass sie beim diesjährigen Superbowl-Auftritt der Noch-Queen-of-Pop assistierte und hinterher noch einen kleinen Zickenzoff mit der gleichfalls mitwirkenden Konkurrentin M.I.A. vom Zaun brach. Kommerziell spielt Nicki Minaj zwar noch nicht in der Liga von Lady Gaga oder Rihanna. Aber ihr unbestreitbares Talent, zu hören auch auf Kanye Wests Jahrhundertalbum „My Beautiful Dark Twisted Fantasy“, und die Fähigkeit, kontroverse Themen (etwa Homosexualität im HipHop) zu besetzen, sollten dafür sorgen, dass ihr Name im Gespräch bleibt.Jörg Wunder

Tempodrom, Sa 16.6., 20 Uhr, 40-45 € + VVK

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